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Film-Exerzitien – Reisen der Hoffnung Der Geist weht wo er will – auch im KinoFilm-Exerzitien verbinden die klassische Exerzitienform mit den bewegten Bildern des Kinos. Sie sind ein neuer, faszinierender Weg für religiöse Einkehr und Meditation. Im Franziskzushaus Dulliken wurden in diesem Frühjahr erstmals Film-Exerzitien durchgeführt.
Film-Exerzitien – ein eigenartiges Wort. Führen Filme nicht gerade weg vom inneren Bereich? Sind sie nicht viel zu laut, zu schnell und zu oberflächlich? Das kühne Wort vereint zwei Welten, die sich gar nicht so fremd sind: Hier der aufwühlende, dann wieder meditative Film. Dort die Einladung zu Stille und Gespräch, zu geistlichem Vortrag und Eucharistiefeier.
Bewegte Besinnung
Der argentinische Film "El Viaje" ("Die Reise", 1992) von Fernando Solanas bildete den Einstieg in die Exerzitien: Martín lebt im Süden Lateinamerikas. Das Fehlen einer Lebensperspektive lässt den 17jährigen beinahe verzweifeln. So bricht er mit dem Fahrrad auf, um seinen Vater zu suchen. Die Reise führt durch ganz Lateinamerika: durch seine reichen Mythen, durch die Geschichte der Azteken und Indios bis zu den katastrophalen sozialen und ökologischen Zuständen der Gegenwart. Unterwegs träumt Martín von einer Begegnung mit seinem Vater, die ihn immer weiter nach Norden führt. Dieser Traum wird für den jungen Mann zu einer Reise der Hoffnung zu sich selbst.
Mit Filmen meditieren
Zu jedem Tag gehört ein Film und ein thematischer Schritt. Einen Film erleben und diesen während der Nacht "beschweigen" und "beträumen", damit sich ein Raum zur persönlichen Verarbeitung öffnet, das ist der erste Schritt. Das Filmgespräch am folgenden Morgen gibt Gelegenheit, in Gruppen auszutauschen, was der Film ausgelöst hat und diese Erfahrung mit dem eigenen Lebensweg in Verbindung zu bringen. Vertieft wird die Auseinandersetzung durch die tägliche Eucharistiefeier und einen Impuls-Vortrag mit meditativen Elementen.
Mit Filmen meditieren und zu sich selbst kommen: Das ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch. Sr. Thoma Spescha aus dem Dominikanerinnenkloster Ilanz hat den Weg über das Medium Film bereichernd erlebt: "Ich habe die Exerzitien als Klosterfrau mitgemacht. Gebet, Eucharistie und Film haben sich während der Woche gut ergänzt. Für das persönliche Gebet und die Auseinandersetzung mit dem Filmthema gab es viel Raum".
Zur Verschmelzung von Gebet und Film trug auch der thematische Leitfaden "Reisen der Hoffnung" bei. Die Metapher der Reise verbindet zwei gegensätzliche Bewegungen: Einerseits das Aufbrechen zu neuen Ufern, andererseits die Rückkehr zur eigenen Mitte. Die Exerzitien ermöglichen durch die bewegten Bilder eine Reise zu sich selbst. Sie sind aber auch ein Ort der Begegnung. Das Gespräch über die Filme öffnet den Horizont für die Lebenssituation sowohl von den Personen im Film als auch von den anderen Teilnehmer/-innen.
Bilder bleiben – Worte verweht der Wind
Ingmar Bergman zeichnet in "Wilde Erdbeeren" (Schweden 1957) das Porträt eines betagten Professors, der auf sein Leben zurückschaut. Mit einem Todestraum bricht für den 78jährigen Isak Borg der Tag an, an dem seine Universität ihn zum fünfzigsten Jahrestag seiner Promotion ehren will. Hinter dem Altherren-Charme des respektablen Medizinprofessors verbirgt sich ein Menschenfeind, der längst alle Bindungen abgestreift hat. Sein Sohn hasst ihn, von seiner Schwiegertochter Marianne wird er wegen seiner Kälte bedauert. Die Autofahrt von Stockholm nach Lund, auf der ihn Marianne begleitet, wird für Borg zu einer unvorhergesehenen Reise in seine Vergangenheit und in sein Seelenleben.
Mit "Wilde Erdbeeren" ist der kritische Blick ins eigene Leben angesprochen. Die intensiven Traumbilder bleiben haften. Sie bilden den Ausgangspunkt für eine persönliche Auseinandersetzung mit eigenen verpassten Chancen und Defiziten.
Film-Exerzitien verbinden die neuen Sehgewohnheiten aus Fernsehen und Kino mit traditionellen Formen des Gebets und der Eucharistie. Hannes Vogel aus Menzingen hat sich inspirieren lassen: "Menschen leben heute von und mit Bildern. In der Ausbildung muss vermehrt Gewicht gelegt werden auf den Einbezug von Bildern in der ganzen Palette der Seelsorgearbeit. Bilder bleiben – Worte verweht der Wind."
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
Veranstaltungen:
4. bis 9. Oktober 1999: Kino-Exerzitien in Ilanz "Stark wie der Tod ist die Liebe" Leitung: Eleonora Näf und Udo Schaufelberger Information und Anmeldung: Eleonora Näf, Tel: 026 323 13 39.
29. Mai bis 2. Juni 2000: Film-Exerzitien in Dulliken "Selig die träumen" Leitung: Charles Martig und Willi Anderau, Katholischer Mediendienst Information und Anmeldung: Franziskushaus Dulliken, Tel: 062 295 20 21. In der Schweiz bieten sowohl das "Haus der Begegnung" in Ilanz als auch das Franziskushaus in Dulliken Film-Exerzitien an. 19.05.1999, ZOOM tip Weitere Berichte |
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