A Separation
Da sitzt ein Paar und will sich scheiden lassen. Frau und Mann blicken direkt in die Kamera und bringen ihre Argumente vor. Die Stimme des Richters erklingt, aber wir sehen ihn nie: Nein, die Gründe reichten für eine Scheidung nicht aus. Die elfjährige Tochter darf beim Vater bleiben, was sie lieber will, als mit der Mutter den Iran zu verlassen. Nach der gescheiterten Scheidung zieht Simin erschöpft zu ihren Eltern. Nader bleibt mit der Tochter und seinem an Alzheimer erkrankten Vater in der gemeinsamen Wohnung. Zur Pflege seines Vaters stellt er eine Frau ein. Diese ist streng religiös und arbeitet hinter dem Rücken ihres arbeitslosen Mannes. Noch dazu ist sie schwanger und bald den Anforderungen nicht mehr gewachsen. Es kommt zu einem Eklat und anschliessenden Gerichtsprozess, in dem immer wieder neue ‹Wahrheiten› herauskommen.
Der an der diesjährigen Berlinale mit Preisen überhäufte Film zieht von der ersten Szene an in Bann. Unfreiwillig erhält die Zuschauerin die Rolle einer Richterin und erlebt, je länger der Film dauert, wie schwer es ist, wahr von unwahr oder auch nur richtig von falsch zu unterscheiden. In minutiösen Alltagsbeobachtungen spielt ein hervorragendes Ensemble, dem man atemlos zusieht. Auf unglaubliche Weise hält der Film die Balance zwischen einem intimen Porträt der iranischen Gesellschaft und einer universalen Geschichte über heutige komplexe Beziehungsgeflechte. Ein Meisterwerk, das auch die Ökumenische Jury in Berlin auszeichnete.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«A Separation – Nader And Simin» (Originaltitel: «Jodaeiye Nader az Simin»), Iran 2011, Regie: Asghar Farhadi, Besetzung: Leila Hatami, Peyman Moadi, Shahab Hosseini u.a., Verleih: trigon-film, http://www.trigon-film.org, Filmwebsite: http://www.trigon-film.org/de/movies/Nader_And_Simin
Kinostart: 8 September 2011
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