Zwerge sprengen
Alljährlich trifft sich Familie Schöni, um Gartenzwerge zu sprengen. Hierfür versammelt sie sich im elterlichen Pfarrhausgarten, bis auf eine Tochter, die sich nach Indien abgesetzt hat. Doch nicht die Zwerge, sondern die beiden sich ähnlichen und doch ungleichen Brüder treiben den Film voran: ein Filou und Finanzjongleur der eine, ein brav biederer Dorfarzt der andere. Da das Leben immer komplizierter ist als ein schön gedeckter Tisch, fliegen bald ordentlich die Fetzen, nicht nur die der Zwerge.
Der Film hat Drive und Dialogwitz. Natürlich ist das Pfarrhaus klischiert gemalt, doch nicht so sehr überzeichnet wie die Figurenkonstellationen. Regisseur Schertenleib sagte, er habe mit seinem Film die protestantische Moral thematisieren wollen, „den zwanghaften Versuch, Harmonie auch da zu suchen, wo sie nicht mehr zu finden ist und möglichst alle Konflikte durch Toleranz im Keim zu ersticken“. Hierfür hätte er mehr Biss zeigen müssen. Manches gerät zur unbeholfenen Groteske, wie der allzu liebevolle Umgang sowohl des Pfarrers als auch seiner Frau mit dessen Ex-Geliebten und deren unübersehbaren Alkoholproblem. Zu guter Letzt tappt der Film selbst in die Harmoniefalle, wenn er die Familie um den Mittagstisch einen Endloskanon singen lässt. Der erfrischende Widerstandsgeist der Frauen der beiden Brüder scheint von ihren hochschwangeren Bäuchen verdrängt zu sein.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
„Zwerge sprengen“, Schweiz 2010, Regie: Christoph Schertenleib, Besetzung: Michael Neuenschwander, Sara Capretti, Max Gertsch; Verleih: Filmcoopi Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch
Filmstart: 25. März 2010
