Zum Tod von Ulrich Frei (1949-2001)
Am Sonntag, 9. Dezember ist der 52-jährige Ulrich Frei bei einer Wanderung im Bündnerland überraschend an einem Herzversagen gestorben. Der Historiker und Journalist Frei war vor sechs Jahren als Chefredaktor in die Dienste des Medienunternehmens Reformierte Medien RM getreten. Seit zwei Jahren gehörte er ferner dem Reformierten Kirchenrat des Kantons Zürich an. Er war verheiratet und hatte einen 24-jährigen Sohn und eine 18-jährige Tochter.
In seinem Hauptberuf war Ulrich Frei Geschäftsleitungsmitglied der Reformierten Medien, des Kommunikationsunternehmens der evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz. Als Leiter des Ressorts Presse und Information oblag ihm zur Hauptsache die Verlagsleitung der Reformierten Presse. Diese wöchentliche Zeitung hatte er als Chefredaktor neu gestaltet und massgeblich geprägt. Im Nebenamt war Ulrich Frei seit zwei Jahren Mitglied des Kirchenrates der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. In dieser Eigenschaft amtete er auch als Verwaltungsratspräsident des Theologischen Verlags Zürich TVZ.
Ulrich Frei kam aus einer Pfarrerfamilie. Er wurde geboren am 15. Juni 1949 im Pfarrhaus Aarburg im Kanton Aargau als mittleres der fünf Kinder von Heinrich und Rosmarie Frei-Bäschlin. 1958 zog die Familie mit den vier Söhnen und der einen Tochter nach Zürich. Das Freie Gymnasium Zürich absolvierte Ulrich Frei 1968 erfolgreich mit der Matura Typus A. Es folgte das Studium der Geschichte und Germanistik in Zürich. In der 68er Bewegung war Ueli Frei an vorderster Front aktiv. In der gleichen Zeit durchlief er im Militär die Karriere bis zum Offizier. Seit 1970 war er als Journalist tätig, zuerst beim damaligen SP-Blatt „Zürcher AZ“.
1971/72 folgte ein Aufenthalt in Italien, vor allem an der Facoltà Valdese di Teologia. Aus Rom berichtete er für verschiedene deutschsprachige Zeitungen. 1980 schloss er das mehrfach unterbrochene Studium in Zürich mit dem Lizentiat ab, dem er 1983 eine medienhistorische Dissertation folgen liess. Seit 1975 war er verheiratet mit Milena Wichser.
Von 1979 bis 1983 arbeitete Ulrich Frei vollzeitlich als Redaktor der „Berner Zeitung“ im Ressort „Schweizer Politik“. Es folgte von 1984 bis 1987 die Redaktionstätigkeit in der Informationsabteilung von Radio DRS in Zürich und von 1988 bis 1991 bei der Tagesschau des Schweizer Fernsehens als Bundeshausredaktor, Moderator und stellvertretender Inlandchef. 1991 bis 1993 folgte die Tätigkeit als Produzent beim neu aufgebauten „10 vor 10“. In den Jahren 1994 und 1995 begab er sich wiederum auf Neuland und wirkte beim Aufbau von „TeleZüri“ als dessen Programmleiter mit.
1995 kam Ulrich Frei als Chefredaktor zum damaligen „Reformierten Forum“, der Wochenzeitung der evangelisch-reformierten Kirchen der Deutschschweiz. Der Wechsel konnte nur diejenigen überraschen, die sein kontinuierliches kirchliches Engagement nicht kannten. Von 1984 bis 1994 war Frei Mitglied der Kirchenpflege Zürich-Wiedikon, davon acht Jahre als Präsident.
Von seinen weiteren kirchlichen Funktionen seien die Wahl in die Zürcher Synode und in die Kirchenpflege Zürich St. Peter erwähnt. 1999 folgte schliesslich die Wahl in den Kirchenrat der reformierten Zürcher Landeskirche.
Mit der Wahl in die Chefredaktion des Reformierten Forums war die Aufgabe zu dessen Neukonzipierung verbunden. Ulrich Frei machte aus dem kirchlichen Blatt eine aktuelle Zeitung mit Schwerpunkten bei Nachrichten und Dienstleistungen. Die Reformierte Presse entwickelte sich zur Informationsdrehscheibe und Diskussionsplattform. Diese Art der transparenten Kommunikation entsprach sowohl seinen Vorstellungen von Journalismus wie von Kirche. Konflikte blieben nicht aus, aber gleichzeitig verschaffte die Reformierte Presse sich zunehmend Respekt.
Schon 1996/97 folgte ein neuer Wechsel. Diesmal ging es um die Fusion des Vereins Reformiertes Forum (der inzwischen die Reformierte Presse herausgab) mit dem damaligen Evangelischen Mediendienst EM und die gleichzeitige Schaffung der Nachrichtenagentur Reformierte Nachrichten RNA. Die Reformierte Presse und die Agentur wurden als Ressort in den EM integriert, und Ulrich Frei trat in dessen Geschäftsleitung ein. 1999 im Zusammenhang mit seiner Wahl in den Kirchenrat wechselte Ulrich Frei von der Chefredaktion in die Verlagsleitung der Reformierten Presse, und seit Sommer 2000 heisst der EM neu Reformierte Medien.
Von den zahlreichen Projekten, an denen Ulrich Frei entscheidend mitgewirkt hat, seien nur zwei genannt: Im Herbst 1999 lancierten die Reformierten Medien mit ihrem Printkonzept eine Diskussion über die Zukunft der kirchlichen Presse. Im Dezember 2000 fand die viel beachtete Plakatkampagne der Reformierten statt, die dem Thema Kirche und Werbung kräftige Impulse gab.
Ueli Frei selbst beschrieb seine Beziehung zur Kirche vor wenigen Jahren wie folgt: „Ich bin im Milieu eines engagierten, gemeindeorientierten Christentums aufgewachsen, mein Vater war bis zu seinem Tod 1976 Gemeindepfarrer ´mit Leib und Seele´, beide Eltern stehen in einer Tradition landeskirchlichen Glaubenslebens mit sozialpietistischem Einschlag. Milder Kulturprotestantismus prägte unser Pfarrhaus. Das hat seine Spuren hinterlassen. Ich habe einerseits eine traditionelle Beziehung zur reformierten Landeskirche. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass unsere Kirche ihre Zukunftschancen als offene Such- und Weggemeinschaft nur packen kann, wenn sie sich den Herausforderungen der Zeit aktiv stellt. Das bedeutet Mut zu protestantischem Selbstbewusstsein in reformierter Zurückhaltung, Innovationsgeist, Offenheit für neue Wege, Flexibilität und Vertrauen darauf, dass wir unsere zukünftige Kirche nicht allein bauen müssen.“
Der Abdankungs-Gottesdienst findet statt am Freitag, 14. Dezember 2001, 14.00 Uhr in
der Kirche St. Peter, Zürich.
Urs Meier ist Geschäftsführer der Reformierten Medien Zürich
Das Original dieser Mitteilung finden Sie unter:
http://www.ref.ch/rna/meldungen/6540.html
Eine Würdigung von Ulrich Frei finden Sie bei http://www.radio.kath.ch, Rubrik special:
http://www.radio.kath.ch/detail.php?nemeid=7279
