Yossi

Das Coming-out ist geplant; nach dem Militärdienst wollen Zugführer Yossi und Korporal Jagger ihre Liebe nicht mehr verheimlichen. So weit kommt es nicht; Jagger wird bei einem Anschlag getötet. Davon erzählt Eytan Fox` Film «Yossi & Jagger» aus dem Jahr 2002. Nun hat der israelische Regisseur die Geschichte in «Yossi» weitergesponnen, einem Film über Selbstzweifel, Trauern, Loslassen und Neuanfangen.

Yossi ist Kardiologe – aber seine Gefühle sind eingefroren. Er rettet sich in die Arbeit, verbringt die Abende vor dem Fernseher und lässt seine Freunde nicht an sich heran. Dann aber, nach all den Jahren, setzt ein Prozess ein: Ohne von Yossi zu wissen, lässt sich Jaggers Mutter im Spital untersuchen. Die Erinnerungen kommen wieder hoch, und erstmals verspürt Yossi das Bedürfnis, von seiner Liebe zu Jagger zu erzählen. Später zeigt ihm die Begegnung mit dem jungen Soldaten Tom, dass sich im israelischen Militär einiges getan hat: Anders als Yossi steht Tom offen zu seiner Homosexualität, was auf Yossi auch befreiend wirkt. Nach und nach wagt er sich zu öffnen, Gefühle preiszugeben und zaghaft an eine Zukunft zu denken. Immer wieder wird der schwermütige Ton durchbrochen von der Unbeschwertheit von Tom und seinen Kollegen. Der Film wird aber ganz getragen von Ohad Knoller, der sensibel und nuanciert Yossis Entwicklung wiedergibt.

Andrea Lüthi, Kulturjournalistin

«Yossi» («Ha-Sippur Shel Yossi»), Israel 2012, Regie: Eytan Fox, Besetzung: Ohad Knoller, Oz Zehavi, Lior Ashkenazi; Verleih: Xenix Filmdistribution GmbH, Internet: http://www.xenixfilm.ch, Filmwebsite: http://yossifilm.com

Kinostart: 6. Dezember 2012