Wolf and Sheep
Sadiqa hütet ihre Schafe in der sandigen, kargen Gebirgslandschaft Afghanistans. Die anderen Mädchen meiden sie und erzählen einander boshafte Gerüchte über Sadiqas Grossmutter. Auch Qodrat wird gehänselt – weil seine Mutter nach dem Tod ihres Mannes einen neuen Gatten sucht. Zwischen Qodrat und Sadiqa, den beiden Aussenseitern, entwickelt sich eine zarte Freundschaft.
Einfühlsam erzählt «Wolf and Sheep» von der Beziehung, die sich zwischen den Kindern entwickelt. Vor allem aber zeigt der Spielfilm in beinahe dokumentarischer Manier Alltagsszenen aus einem afghanischen Bergdorf: Die Kinder weiden die Schafe; ein alter Mann erzählt von einer grünen Fee, die in der Gestalt des furchterregenden Kaschmirwolfes nachts um die Häuser streicht; die Frauen streiten beim Kochen und Feuermachen; ein Mann wird beerdigt, ein Tier zu seinen Ehren geschlachtet; Konflikte unter den Familien werden im Rat der Ältesten behandelt. Die 1990 geborene Regisseurin Shahrbanoo Sadat kennt das Leben im ländlichen Zentralafghanistan, sie ist selbst dort aufgewachsen. Mit 18 zog sie nach Kabul und ging von dort aus weiter nach Paris, wo sie das Filmemachen lernte. In ihrem ersten Spielfilm gibt sie tiefe Einblicke in den Alltag und die Traditionen ihrer Heimat, in der die Menschen sich die Welt mit mythischen Sagen erklären. Dafür wurde sie beim Filmfestival von Cannes 2016 mit der «Quinzaine des réalisateurs» ausgezeichnet.
Laura Lots, Redaktorin Medientipp
«Wolf and Sheep», 86 Minuten, Afghanistan 2016, Regie: Shahrbanoo Sadat, Besetzung: Sediqa Rasuli, Qodratolla Qadiri; Verleih: trigon-film, Internet: http://www.trigon-film.org
Kinostart: ab 24. November (Aarau, Baden, Basel, Bern, Luzern, Zürich u.a.); ab 2. Dezember (St. Gallen, Thun, Heerbrugg)
