Wissen. Die Tabubrecher – Wie moralisch soll Kunst sein?

Die Metoo-Debatte aktualisiert eine uralte Problematik: die vom Verhältnis zwischen Kunst und Moral. Carravaggio sass wegen einer Schlägerei im Gefängnis, Verlaine und Rimbaud waren Kleinkriminelle, Bacon malte seine gewalttätigen und perversen Albträume, Degas liebte Prostituierte, Gaughin fantasierte von jungen Mädchen als Musen und Geliebte, Brecht instrumentalisierte seine Frauen zumeist als Sekretärinnen. Diese Künstler stehen für einen alten und vielleicht obsolet gewordenen Geniekult, der Kunst mit Tabubruch gleichsetzt. Wie verhalten sich heute Kunst und Moral? Hat sich unser Kunstbegriff verändert? Antworten gibt Professor Wolfgang Ullrich, Kunst- und Kulturwissenschaftler aus Leipzig