Wer sind wir?

Zu viert sitzen sie im Grünen auf einer Decke und für einen Moment ist alles ganz normal. Dann beginnt einer der beiden Söhne der Lankenaus zu krampfen und das Idyll zerfällt. Normal im Sinne von «wie alle anderen», das sind die Lankenaus nicht. Jonas und Felix, die beiden Söhne, leiden an Pontocerebelläre Hypoplasie Typ 2, einer Erbkrankheit, die unter anderem Bewegungsstörungen sowie epileptische Anfälle verursacht und die Lebenserwartung massiv dezimiert. Trotz grosser administrativer Hürden und enormer psychischer und physischer Belastung haben es die Eltern, Axel und Stefanie, geschafft, Jonas und Felix in die Gesellschaft zu integrieren. Beide Kinder besuchen eine Schule, an der Inklusion wirklich gelebt wird.

Auch Helena Kissling leidet an einer seltenen Krankheit, der tubulären Sklerose. Helena, mittlerweile 24, ist geistig schwer beeinträchtigt. Sie lebt in einer speziellen Wohngruppe in Basel und wird dort liebevoll und ihren Bedürfnissen entsprechend in ihrem fast-normalen Alltag begleitet, an dem auch ihre alleinerziehende Mutter teilhat.

Edgar Hagens Dokumentarfilm ist ganz nah bei seinen Protagonisten und wirft einen Blick in ihre Lebenswelt. «Wer sind wir?» ist – wie der Titel – ein mehrdeutiger Film, der eindrücklich aufzeigt, wie Inklusion gelingen kann: durch kreative Formen der Kommunikation und mit ganz viel Geduld. Zu sehen, wie Menschen, die nicht der sogenannten Norm entsprechen dennoch Teil einer Gemeinschaft sein können, lässt hoffen!

Natalie Fritz, Religionswissenschaftlerin und Redaktorin Medientipp

«Wer sind wir?» Schweiz 2019, Regie: Edgar Hagen; mit: Helena Kissling, Veronika Kissling, Jonas Lankenau; Verleih: cineworx, Internet: http://www.cineworx.ch, Filmwebsite: https://www.wersindwir.ch/de/wer-sind-wir-de

30. Januar 2020