Weichenstellung in der kirchlichen Filmarbeit
Die ökumenische Filmzeitschrift ZOOM fusioniert mit der der Stiftung „Ciné-Communication“, welche die Branchenzeitschrift Ciné-Bulletin herausgibt (vgl ZOOM tip 6-7/99). Für die kirchliche Filmarbeit bedeutet die Aufgabe der ökumenischen Trägerschaft eine nachhaltige politische Änderung.
ZOOM wird ab diesem Sommer mit neuem Konzept und in einer breiteren Trägerschaft weitergeführt. Der Katholische und der Evangelische Mediendienst werden nicht mehr allein die bisher grösste und älteste filmkulturelle Zeitschrift in der deutschsprachigen Schweiz herausgeben, sondern sich zusammen mit den filmkulturellen Organisationen der Schweiz minoritär an der Stiftung „Ciné-Communication“ beteiligen. Die neue Trägerin wird auf das Filmfestival von Locarno eine gesamtschweizerische Filmzeitschrift mit unabhängigen Ausgaben für die französisch- und deutschsprachige Schweiz herausgeben und zusätzlich das Branchenblatt „Ciné-Bulletin“ als Beilage oder eigenständige Publikation anbieten. Damit bündelt die neue Zeitschrift die Kräfte und strebt eine Führungsrolle unter den Schweizer Filmpublikationen für ein anspruchsvolles Publikum an.
Kirche und Film
Für die kirchliche Filmarbeit bedeutet die Aufgabe der ökumenischen Trägerschaft eine nachhaltige politische Änderung. Mehr als ein halbes Jahrhundert begleitete die kirchliche Filmpublizistik das noch nicht doppelt so alte Medium Film: der katholische „Filmberater“ im 59. Jahrgang, die evangelisch-reformierte Tradition von ZOOM im 51. Jahrgang, gemeinsam in ökumenischer Trägerschaft seit 1973. Spielten zu Beginn vor allem bewahrungspädagogische Motive eine Rolle für das kirchliche Engagement, so wuchs über die kontinuierliche kritische Beschäftigung mit den Filmen als Zeichen der Zeit die ästhetische Kompetenz der Beteiligten. Für die kirchliche Filmarbeit wurde ZOOM zum publizistischen Leitmedium. Über positive Selektion orientierte die Zeitschrift in den letzten Jahren über das Angebot von Filmen im Kino, auf Video und im Fernsehen, interpretierte aus einer kritischen Perspektive die Werke und Entwicklungen und pflegte exemplarisch an ausgewählten Werken und Themen den Dialog zwischen Kunst und Religion bzw. Film und Kirche. Mit einer durchschnittlichen Auflage von 6´000 Exemplaren erreichte ZOOM im vergangenen Jahr ein vornehmlich jüngeres Publikum.
Der Grund für die Aufgabe einer von den Kirchen getragenen Filmzeitschrift liegt in den angespannten kirchlichen Finanzen. Da sich neue Aufgaben, wie die Präsenz kirchlicher und religiöser Themen im Privatfunk sowie im Internet nur mit den bisherigen Mitteln finanzieren lassen, müssen die kirchlichen Mediendienste Prioritäten setzen. Die neue organisatorische Abstützung bringt ihnen mittelfristig eine nachhaltige finanzielle Entlastung. Unter verschiedenen Entscheidungsvarianten entschied sich der Vorstand ZOOM schliesslich für die Fusion mit der Stiftung „Ciné-Communication“. Mit vereinten Kräften sowie mit der Unterstützung des Bundesamtes für Kultur soll nun das Projekt einer gesamtschweizerischen Filmzeitschrift realisiert werden.
Schritt in die Zukunft
Die vorliegende Lösung sichert die Zukunft von ZOOM als anspruchsvolle Schweizer Filmzeitschrift längerfristig am besten. Die neue Zeitschrift führt das Profil der filmkulturell engagierten Filmpublizistik weiter, und zwar unter besonderer Berücksichtigung des unabhängigen Films sowie des Schweizer Filmschaffens. ZOOM stellt den Chefredaktor für die deutschsprachige Ausgabe und bringt die Kompetenz seiner Mitarbeiter in die neue Zusammenarbeit ein. Im Stiftungsrat als neuem Herausgeber setzen sich die Vertreter der kirchlichen Mediendienste für die Sicherung der Qualität sowie für die Unabhängigkeit der Redaktion ein und bestimmen aus einer minoritären Position das publizistische Profil mit. Im Gespräch mit der Redaktion machen die kirchlichen Filmbeauftragten auf das Unsichtbare hinter dem Sichtbaren aufmerksam und bringen religiöse Dimensionen des aktuellen Filmschaffens zur Sprache. Ob die Redaktion darauf eingeht, hängt wie bisher von der Qualität der Vorschläge ab.
Wer sich ausführlicher über die Weichenstellungen der kirchlichen Filmpublizistik sowie über die Perspektiven der kirchlichen Medienpublizistik orientieren möchte, kann bei der Redaktion ZOOM tip kostenlos ein entsprechendes Dossier bestellen.
Matthias Loretan, Kopräsident ZOOM
Urs Meier, Kopräsident ZOOM
