Water

Indien, 1938: Chuyia ist gerade acht Jahre alt, als ihr Mann stirbt. Von nun an soll sie in einem Witwen-Ashram leben. Sie fügt sich nur schwer in das neue Leben ein, freundet sich aber mit zwei der anderen Witwen an. Als die Frauen einem Anhänger Mahatma Gandhis begegnen, wagen sie allmählich, ihr vermeintliches Schicksal zu hinterfragen.

Unter strenger Geheimhaltung drehte Deepa Mehta ihren Film in Sri Lanka. Fünf Jahre zuvor war das Projekt in Indien aufgrund massiver Proteste und Anschläge seitens radikaler Hindus gescheitert. Der Widerstand wollte die kritische Auseinandersetzung mit alten Traditionen verhindern, wohl auch, weil sie mancherorts noch heute das Schicksal von Hindu-Witwen bestimmen. Einem westlichen Blick mag die politische Brisanz zunächst entgehen, ist der Film doch in der Vergangenheit angesiedelt, in der Kinderehen noch legal waren. Zudem entspricht er mit seinen Bildern von überwältigender Schönheit oder auch der Liebesgeschichte einer der Witwen ästhetisch dem klassischen indischen Kino. Allerdings ragt er durch seine konsequente Parteinahme für eine verachtete Gruppe heraus. Differenziert zeichnet er die Mechanismen von Ausgrenzung und Unterdrückung nach und begehrt gegen lebensfeindliche Traditionen auf. Dies überwiegt die wenigen kitschigen Momente.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Water», Kanada/Indien 2005, Regie: Deepa Mehta, Darsteller/innen: Sarala, Lisa Ray, Seema Biswas, John Abraham; Verleih: Filmcooperative Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch, Filmwebsite: water.mahiram.com

Kinostart: 27. April 2006