Viaggio a Misterbianco

Der Zürcher Filmemacher italienischer Herkunft Paolo Poloni hat nie in Italien gelebt und manchmal kommt ihm sein italienischer Pass wie ausgeliehen vor. Nach einigem Zögern macht er sich mit einer DV-Kamera auf den Weg, um während vier Monaten die Heimat seiner Väter zu entdecken und dabei seine eigene Befindlichkeit zu erkunden. Ausgerechnet am 1. November tritt er per Autostopp seine Reise an – eine Winterreise.

Vom Brenner führt der Weg durch ein unbekanntes Land eher zufällig ins Veneto und nach Mailand, wo er zehn Tage bleibt. Die einzigen Bilder, die er von diesem Aufenthalt zeigt, sind Begegnungen mit afrikanischen Asylbewerbern, die eine Kirche besetzt halten. Im übrigen führt der elliptisch nachgezeichnete Weg an den grossen Städten von Rom und Neapel vorbei ins unbekannte Landesinnere. Jederzeit offen für zufällige und überraschende Begegnungen mit Stadtstreichern und Menschen in speziellen Lebenssituationen macht Poloni neugierig für ein Italien fern bekannter Klischees.

Poloni gelingen intime, berührende und oft auch humorvolle Momentaufnahmen, ohne dass dabei der Respekt vor den Menschen verloren geht. Schliesslich kommt er im sizilianischen Misterbianco an, wo er auch den originellen Bürgermeister kennen lernt. Dieser möchte seinen Bürgerinnen und Bürgern ein Vorbild sein und ihnen einen Weg aus der Misere und Hoffnungslosigkeit zeigen.

Hans Hodel, Bern

«Viaggio a Misterbianco», Schweiz 2003, Regie: Paolo Poloni, Verleih: Xenix Filmdistribution, Internet: http://www.xenixfilm.ch