Vaters Garten – Die Liebe meiner Eltern
Mühselig packt der Vater eine Gartenpflanze aus – und weil’s misslingt, beschuldigt er seine Frau. Diese Szene ist bezeichnend für Peter Liechtis Dokumentarfilm über seine Eltern und ihr Zusammenleben. Was anfangs komisch, vielleicht sogar rührend wirkt, löst plötzlich beklemmende Gefühle aus. Während der Vater in seinen patriarchalischen Ideen verhaftet ist, rettet sich die Mutter in ihren Glauben. Es wäre ein Leichtes, die konservativen, oft bizarr anmutenden Ansichten und die Lebensweise der Eltern ins Lächerliche zu ziehen. Doch das tut der St. Galler Regisseur nicht.
Er schützt seine Eltern und schafft eine Distanz, indem er mit Verfremdung arbeitet, wo sehr persönliche Dinge zur Sprache kommen. Zwei Hasenpuppen treten dann in geheimnisvoll ausgeleuchteter Szenerie auf, und Schauspieler sprechen die wahrheitsgetreu wiedergegebenen Dialoge. Liechti selber wird verkörpert durch eine Art Narr mit breitem Grinsen – das und die schiefe, scheppernde Musikuntermalung wirken wie ein feiner ironischer Kommentar, ohne dass die Figuren blossgestellt werden. Liechtis sensibler und persönlicher Film bewegt. Oft bleibt einem das Lachen über manche Alltagssituation im Hals stecken; man ist empört, entsetzt – dann wieder berühren einen die leisen Zwischentöne, die von Einsamkeit und ungestillten Sehnsüchten erzählen.
Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch
«Vaters Garten – Die Liebe meiner Eltern», Schweiz 2013, Regie: Peter Liechti, Dokumentarfilm mit den Stimmen von Horst Warning, Nikola Weisse und Stefan Kurt; Verleih: Look Now! http://www.looknow.ch
Kinostart: 26. September 2013
| «Vaters Garten – Die Liebe meiner Eltern» ist unser Film des Monats Oktober und als pdf abrufbar. Film-des-Monats-Archiv |
