Unsere Trachten – Majestäten in Lederhosen
Was man heute unter «Tracht» versteht, ist kaum 150 Jahre alt. Die Wittelsbacher wollten ihrem neu geschaffenen Königreich eine unverwechselbare Identität geben. Deshalb kreierten und förderten sie eine Nationaltracht, die zum Symbol für Bayern schlechthin wird. In der zweiteiligen Dokumentation räumt Katarina Schickling auch mit zahlreichen Klischees und Irrtümern auf: So war die Lederhose nie Arbeitskleidung der breiten Masse, sondern das exklusive, teure Kleidungsstück herrschaftlicher Jäger. Das Dirndl ist eine Entwicklung des späten 19. Jahrhunderts, ein modisches Sommerkleid für die Städterin in der Sommerfrische. Frühe Filmaufnahmen vom Münchner Oktoberfest zeigen, wie unsere Vorfahren auf die Wiesn gingen: im Sonntagskleid und dunklem Anzug. Immer wieder wird die Tracht im Laufe der Zeit instrumentalisiert: Von den Bürgerwehren der frühen 1920er-Jahre, die mit Gamsbart und Lederhose gegen Kommunisten ziehen, von Monarchisten, die in Weimarer Zeiten der bayerischen Eigenstaatlichkeit nachtrauern, von Nationalsozialisten, die das Gewand der Bauern für ihre Blut- und Boden-Ideologie missbrauchen
