Un amour de jeunesse
Für sie ist das Leben ohne ihn wertlos – er hingegen will die Welt entdecken. Die 15-jährige Camille ist am Boden zerstört, als ihr sprunghafter Freund Sullivan für mehrere Monate nach Südamerika reist und den Kontakt bald abbricht. Camille unternimmt einen Suizidversuch, rafft sich danach jedoch wieder auf und studiert Architektur. Doch selbst wenn sie mit Studienkollegen zusammen ist, wirkt sie, als ob sie von einer Hülle umgeben wäre. Nicht zufällig weist ihr erster Hausentwurf zellenartige Zimmerchen auf. Acht Jahre nach seiner Abreise taucht Sullivan wieder auf. Camille liebt ihn noch immer, lässt sich trotz der neuen Beziehung mit ihrem Dozenten auf eine Affäre ein – und wird erneut enttäuscht.
In dem autobiografisch gefärbten Film arbeitet Mia Hansen-Løve stark mit Symbolen – so steht etwa der Fluss für den letzten glücklichen Moment mit Sullivan, trägt zum Schluss aber auch die Trauer über Verlorenes davon. Ganz grundsätzlich geht es in dem Film um das Auf und Ab der Gefühle und um die Irrationalität dieser. Vor allem aber thematisiert Hansen-Løve die erste Liebe, die sich nicht so rasch vergessen lässt. Obwohl in den Dialogen durchaus romantisiert wird, lässt die elliptische, straffe Erzählweise kein Pathos aufkommen. Das liegt auch an der chronologischen Erzählweise und dem Verzicht auf nostalgische Rückblenden sowie an der Ernsthaftigkeit, mit der Lola Créton die introvertierte Camille spielt.
Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch
«Un amour de jeunesse», Frankreich 2011, Regie: Mia Hansen-Løve, Besetzung: Lola Créton, Sebastian Urzendowsky, Magne-Håvard Brekke; Verleih: Frenetic Films, http://www.frenetic.ch
Kinostart: 9. August 2012
