Über die Darstellbarkeit des Holocaust – Ein Gespräch auf 3sat
Zahllose Fernsehsendungen und Filme haben sich bereits mit der Nazizeit und dem Holocaust auseinandergesetzt. Inzwischen werden kritische Stimmen laut, die von Verharmlosung, Banalisierung und Verkitschung des Themas sprechen – vor allem wenn der Holocaust als Serie, Krimi oder Komödie präsentiert wird.
Am 28. April um 21.45 Uhr wird auf 3sat die Gesprächssendung „Tod, Erinnerung und historisches Gedächtnis“ gezeigt. Darin stehen Formen des Erinnerns im Mittelpunkt, die wenig eingängig sind und die vom Zuschauer Anstrengung erfordern. Die beiden Filmemacher Claude Lanzmann und Eyal Sivan, sowie der Schriftsteller Klaus Theweleit, der sich in seinen Büchern intensiv mit dem Faschismus beschäftigt hat, sprechen über die Darstellbarkeit des Holocaust. Sie thematisieren die Ästhetik der Filme „Ein Spezialist“, der am 29. April um 21.15 Uhr zu sehen ist, und „Shoah“, den 3sat leider nicht zeigt.
Claude Lanzmann hat mit seinem Film „Shoah“ (1985) gültige Massstäbe gesetzt. Er zeigt lange Interviews mit Opfern und Tätern des Holocaust und beteiligt den Zuschauer so am Prozess der Erinnerung. Ähnlich adäquat geht Eyal Sivan in „Ein Spezialist“ (1998), welcher den Prozess gegen Adolf Eichmann dokumentiert, mit dem Holocaust um. Der Eichmann-Prozess (1961) ist das einzige Verfahren gegen einen Kriegs- und Naziverbrecher, das in voller Länge in Bild und Ton aufgezeichnet wurde. Sivan reduzierte 350 Stunden des unveröffentlichten Originalmaterials auf Kinolänge. Dabei konzentrierte er sich völlig auf den ehemaligen SS-Obersturmbannführer Eichmann. Jede Reaktion des Angeklagten wurde minutiös festgehalten und erlaubte Eyal Sivan eine eindrückliche Darstellung dessen, was Hannah Arendt die „Banalität des Bösen“ genannt hat: das Abdriften einer gewissenhaften Beamtenseele in die Mechanismen und Zwänge eines totalitären Systems
Auf 3sat sind folgende Beiträge zu sehen:
Tod, Erinnerung und historisches Gedächtnis: Samstag, 28. April, 21.45-22.35 Uhr
Ein Spezialist: Sonntag, 29. April, 21.15-23.20 Uhr
