TV-Festival für religiöse Programme in Berlin

Mit der Auszeichnung von deutschen, niederländischen und irischen Beiträgen ist in Berlin das 17. Europäische TV-Festival für religiöse Programme zu Ende gegangen. Den ersten Preis bekam die Reportage „Meine Eltern“ von Benedikt Fischer. Der Beitrag, der vom Hessischen Rundfunk produziert und in der ARD ausgestrahlt wurde, handelt vom Umgang eines Sohnes mit seinen hochbetagten und kranken Eltern.

Es ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit: Vom 40 Sekunden-Werbeclip bis zur einstündigen Dokumentation war im Programm des TV-Festivals alles zu sehen. „Das ist nicht nur Äpfel mit Birnen vergleichen, sondern auch mit Hummer und Pianos“, meinte die Jury-Präsidentin Kathleen LaCamera aus Grossbritannien.

Stimmiger Blick auf die Eltern

Der Entscheid für den ersten Preis fiel auf den filmisch hochstehenden und sehr berührenden Beitrag „Meine Eltern“. Der Regisseur Benedikt Fischer nähert sich seinen eigenen Eltern an. Sein Vater leidet unter Demenz, seine Mutter ist halbseitig gelähmt. Beide sind auf Hilfe angewiesen und beide sind ganz andere Menschen geworden: emotional reicher, weicher im Umgang und versöhnlicher. Die Bilder von Vater und Mutter sind mit einem sehr stimmigen, literarischen Text unterlegt, der die Selbstreflexion des Regisseurs zum Ausdruck bringt. Sein Blick auf die Eltern ist ein vielschichtiger und präziser Zugang zur Nachkriegsgeneration. Im Kleinen wird hier sichtbar, was eine ganze Generation von Kindern prägte und bekommt damit eine universelle Dimension: Was heisst seine Eltern ehren? Genau hinschauen und wahrnehmen, wie sie sich verändern, was sie heute an Hilfe brauchen. „Meine Eltern“ ist ein äusserst berührender Beitrag zur Beziehung zwischen Eltern und Kindern aus der Sicht der jüngeren Generation.

Entdeckung aus der Romandie

Weitere Preise wurden an ein irisches Porträt „Would You Believe? – My Father’s House“ vergeben, das einen schwerwiegenden Missbrauchsfall in Irland aufarbeitet. Auch ein sehr schöner Kurzfilm aus der Niederlande „Patrick’s Koninkrijk“, der in 15 Minuten eine Weihnachtsgeschichte mit 10-jährigen Kinder erzählt, wurde ausgezeichnet. Und nicht zuletzt glänzte Max Kronawitter mit seinem Beitrag „Ein Haus für kleine Seelen“, das ein Sterbehospiz für Kinder in Bad Grönenbach vorstellt.
Aus Schweizer Sicht waren die Kurzfilme der TSR in ihrem Sendegefäss „Faut pas croire“ eine Entdeckung: zum Beispiel eine einfache, aber bestechende Idee zur Auferstehung mit einer modernen Frauenfigur als Maria Magdalena auf dem Weg zum Grab. Hier kommt eine filmische Qualität zum Vorschein, die im Fernsehen nur selten zu sehen ist.

Input für Fernsehprofis

Das viertägige Festival vom 2. bis 6. Juni 2010, das 95 Fernsehprogrammverantwortliche aus 18 europäischen Ländern zusammenführte, fragte auch nach dem Stellenwert und der künftigen Entwicklung von religiösen Programmen im Fernsehen. Der Chefredakteur des ZDF, Peter Frey, bezeichnete Religion im Fernsehen als unverzichtbar. Sie gehöre zum Menschen und müsse daher auch im Programm ihren Platz finden. Auch der Leiter der Religionsabteilung in der BBC, Aaqil Achmed, sieht im Fernsehen eine gute Zukunft für religiöse Themen. Sie müssten jedoch „marktgängig und konsequent an den Interessen der Zuschauer ausgerichtet“ sein. Der Sekretär des Päpstlichen Medienrats, Paul Tighe, ermunterte die Fernsehverantwortlichen nach neuen Erzählweisen im digitalen Zeitalter zu suchen. Im Blick auf seine eigene Kirche riet er, Abschied zu nehmen von langen und textlastigen Formaten. Der Wandel der Sehgewohnheiten verlange kürzere und bildorientierte Beiträge.

Charles Martig, Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

Organisatoren
Das Festival für religiöse TV-Programme wird von den internationalen katholischen und evangelischen Mediendachverbänden SIGNIS und WACC veranstaltet. Es findet seit 1969 alle drei Jahre in wechselnden europäischen Ländern statt.
http://www.signis-wacc-festival.com

Preisträger online abrufbar

„Meine Eltern“, 30 Minuten, ARD/HR
http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?rubrik=49444&key=standard_document_37816048

„Figures de foi: Marie-Madeleine“, Kurzfilm der TSR
http://www.tsr.ch/video/emissions/religion/faut-pas-croire/1760232-la-resurrection-sens-dessus-dessous.html#id=1760234;nav=emissions/religion/faut-pas-croire/1760232-la-resurrection-sens-dessus-dessous.html?q=marie