Tori et Lokita
Handy, Adressangabe und schon schickt der Küchenchef die beiden Kinder in die belgische Nacht. Tori und Lokita liefern aber keine Pizzen für das italienische Restaurant aus, sondern bringen Drogen zu ihren Kunden und Kundinnen. Und sie müssen sich beeilen, denn um spätestens 22 Uhr müssen sie wieder im Heim sein. Dort singt Lokita ihrem «kleinen Bruder» Tori dann ein Schlaflied vor.
Der kleine Tori hat Benin verlassen, weil er als Hexenkind um sein Leben fürchten musste. Auf der gefährlichen Reise nach Belgien hat er die ältere Lokita kennengelernt. Zusammen haben sie alle Hindernisse überwunden, aber in Europa angekommen, ist längst nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Die beiden haben noch Schulden bei ihren Schleppern und Lokita bekommt keine Aufenthaltsbewilligung – obwohl sie sich als Schwester von Tori ausgibt.
Die beiden Dardenne-Brüder richten auch in «Tori et Lokita» ihre Kamera darauf, wo sonst niemand genau hinsieht. Wiederum erzählen sie eine Geschichte von zwei Menschen, die am Rande der Gesellschaft um ihr Überleben kämpfen.
Ohne Pathos, ganz nahe an den beiden hervorragenden Hauptdarstellenden, zeigen die Dardennes, wie schwierig es für illegalen Migrant*innen in Europa ist, sich aus dem Teufelskreis von Abhängigkeiten abzusetzen. Es schmerzt, zu sehen, wie die Vulnerabilität dieser Menschen ausgenutzt wird. Es schmerzt zu sehen, dass auch Kinder und Jugendliche nicht davon verschont werden. Umso wichtiger ist es, hinzuschauen!
Natalie Fritz, Religionswissenschaftlerin und Redaktorin Medientipp
«Tori et Lokita», Belgien 2022; Regie: Jean-Pierre Dardenne und Luc Dardenne; ProtagonistInnen: Pablo Schils, Joely Mbundu, Alban Ukaj; Verleih: Xenix Filmdistribution; Homepage: https://www.xenixfilm.ch; Filmseite: https://www.xenixfilm.ch/de/film_info.php?ID=12040
Ab 09. Februar 2023 im Kino
