This Must Be the Place
Wie lächerlich darf ein Schauspieler eine Figur darstellen, ohne sich selbst der Lächerlichkeit preiszugeben? Diese Gratwanderung können nur Ausnahmetalente vollziehen: so Sean Penn. Er verkörpert Cheyenne, einen gealterten Rockstar im «Goth-Stil»: schwarz gekleidet, mit verstrubbeltem Haar, stark geschminkt und unendlich gelangweilt. Gestik und Körperhaltung verweisen auf eine depressive Krise, die Fistelstimme auf einen Verlust an Bodenhaftung. Diese Figur schickt Regisseur Paolo Sorrentino auf eine Reise durch die USA, auf die Suche nach ihrer eigenen jüdischen Geschichte. Dramaturgisch wird der Bogen sehr überspannt: der kindische Alt-Rockstar wird zum Nazi-Jäger in einem mächtigen, schwarzen Pick-Up – die Reise durch die amerikanische Landschaft gerät zur Identitätssuche. Die Spannungen in der Geschichte sind so gewaltig, dass sich jegliche Frage nach der Wahrscheinlichkeit erübrigt. Was bleibt, ist das grossartige Spiel von Sean Penn und die Faszination des Regisseurs für die Ikonen des amerikanischen Lebensstils.
Leitmotiv ist der Song «This Must Be the Place» der 1980er-Jahre-Kultband «Talking Heads», die mit dem Film eine bleibende Hommage erhält. Am berührendsten ist wohl die Szene, in der Cheyenne von einem übergewichtigen Jungen dazu genötigt wird, das Lied zu spielen. Der Alt-Rockstar und das verschupfte Kind: Ein Paar, das sich für einen kurzen Moment gefunden hat.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«This Must Be the Place», Italien/Frankreich/Iran 2011, Regie: Paolo Sorrentino, Besetzung: Sean Penn, Frances Mc Dormand, Judd Hirsch; Verleih: Frenetic Films, http://www.frenetic.ch
Kinostart: 10. November 2011
Preisträger der Ökumenischen Jury, Cannes 2011
