The Woman in the Fifth
Was ist die Wirklichkeit? Was wirkt? Dass der Amerikaner Tom zu seiner Familie nach Paris reist, sich mit Frau und Tochter versöhnen möchte und dass dieser Versuch kläglich scheitert – das ist harte Wirklichkeit. So weit so schlecht. Dass diesem Mann dann noch Koffer und Wertsachen gestohlen werden, wenn er in der S-Bahn einfach einschläft und sich irgendwo in die Banlieu treiben lässt, ist nachvollziehbar. Auf Pump besorgt er sich nun ein billiges Zimmer, noch immer in der Hoffnung den Kontakt zu seiner Tochter nicht zu verlieren. Ein dubioser Nachtwächterjob bringt ihn vorläufig über die Runden.
Als er in einer Buchhandlung nach seinem eigenen Roman fragt, erfahren wir, dass Tom eigentlich Schriftsteller ist, auch wenn sein letzter Titel schon eine Weile zurück liegt. Und da taucht diese geheimnisvoll schöne Frau auf, Muse eines verstorbenen ungarischen Autors, wie sie selbst sagt. Sie ist die einzige, die ihn als das erkennt, was er ist: ein sensibler, schreibender Mensch. Ist die Frau, die Tom in die Arme nimmt längst tot? Und wie steht es um die Leidenschaft ihrer Beziehung – Liebe oder Untergang? Offen bleibt, von welcher Wichtigkeit es ist, ob die mysteriöse Frau existiert oder ob sie bloss seinem Geschriebenen entspringt. Engleitet Tom die Wirklichkeit? Mit Spannung und grossartigen Schauspielern erzählt der Film seine abgründige Geschichte.
Brigitta Rotach, Kulturjournalistin
brigitta.rotach@access.uzh.ch
«Woman in the Fifth» («La Femme du Vème»), Frankreich / Polen / Grossbritannien 2011, Regie: Pawel Pawlikowski, Besetzung: Kristin Scott Thomas, Ethan Hawke, Joanna Kulig; Verleih: Praesens Film AG, http://www.praesens.com
Kinostart: 12. Juli 2012
