The Tree of Life

Die Reaktionen auf den Film waren gespalten, doch weil Regisseur Terrence Malick vielen als Genie gilt, überwogen die bewundernden Stimmen. Nun hat die Goldene Palme von Cannes sein visuell und erzählerisch vielschichtiges Werk geadelt. Mit einem Zitat aus Hiob beginnend, lässt es gleich zu Anfang den Willen zur Wucht spüren, den es in einer langen symphonisch geschwängerten Sequenz zur Entstehung von Welt und Sein auslebt. Verwoben ist dies mit dem Schicksal einer amerikanischen Familie, die einen Verlust erleiden muss.

Die  sanftmütige Mutter (Jessica Chastain), die kaum Dialoge hat, dafür bedeutungsvoll blickt und wunderschön strahlt, vertritt das Prinzip von Liebe und Gottergebenheit. Der Vater (Brad Pitt) ist härter, redet und handelt mehr und will seine Kinder für das Überleben im Alltagskampf stark machen. Eingeklemmt zwischen den Prinzipien Altruismus und Egoismus, ja letztlich Schöpfung und Evolution, ist der älteste Sohn. Als Erwachsener (Sean Penn) schweift er unglücklich sinnierend durch kalte Hochhauswelten, bis er sich in traumartigen Sequenzen mit seinem Sein versöhnt. Dies alles wird nicht eigentlich erzählt, sondern aus dem Off mit den Stimmen von Mutter, Sohn und Vater mehr oder weniger meditiert. Daher war in mancher Kritik davon die Rede, hier feiere das Kino eine Messe. In die Tiefe geht der Film dabei kaum, sondern verhängt sich oft in metaphysischer Plattheit und esoterischem Kitsch.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«The Tree of Life», USA 2011, Regie: Terrence Malick, Besetzung: Jessica Chastain, Brad Pitt, Sean Penn; Verleih: Ascot Elite Entertainment Group, http://www.ascot-elite.ch, Filmwebsite: http://www.twowaysthroughlife.com

Kinostart: 26. Mai 2011


«The Tree of Life» im aki
Kinobesuch mit Filmgespräch am Montag, 30. Mai, 17.00 Uhr