The Pianist – Reprise am Filmfestival in Locarno

Do 24.08.,
medientipp

Am 4. August wird Adrien Brody am diesjährigen 70. Filmfestival Locarno den «Leopard Club Award» auf der Piazza Grande entgegennehmen. Mit dem Award werden herausragende Schauspieler, die mit ihrem Werk die Kultur geprägt haben, geehrt. Dem Ausgezeichneten zu Ehren zeigt das Festival  «The Pianist». https://pardo.ch/pardo/pardo-live/today-at-festival/2017/07/leopard-club-2017.html

Der Klaviervirtuose Wladyslaw Szpilman gibt eines seiner beliebten Konzerte am polnischen Radio. Plötzlich schlägt eine Bombe der deutschen Wehrmacht ein und zerstört den Sender. Damit ist der Musiker (Adrien Brody) am Anfang seines Leidensweges durch das Warschauer Getto. Er wird dort mit seiner Familie eingesperrt, erleidet Demütigungen und Qualen als Zwangsarbeiter. Es gelingt ihm jedoch, der Deportation zu entkommen und den Krieg in wechselnden Verstecken zu überleben. Roman Polanski knüpft an eigene Kindheitserfahrungen an: Als Überlebender des Krakauer Gettos und des Warschauer Bombardements wollte er schon lange einen Film über dieses schreckliche Kapitel der polnischen Geschichte drehen. Der Film sollte aber nicht autobiographisch sein. Mit den Memoiren von Szpilman, der seine Erinnerungen unmittelbar nach dem Krieg niedergeschrieben hat, stiess Polanski auf den geeigneten Stoff. Der Regisseur hat daraus einen sehr menschlichen und versöhnlichen Film gemacht, der sich stark am production design von «Schindlers Liste» orientiert. Einen eigenständigen Weg geht er in der Erzählperspektive. «The Pianist» bleibt nicht auf der Ebene der Identifikation mit den Opfern stehen, sondern wählt eine mittlere Distanz. Diese teilnehmende Beobachtung besonders im zweiten Teil bildet die grosse Stärke des Films – eine filmische Geschichtsschreibung, die bleibende Erlebnisse vermittelt und lange nachwirkt.

Charles Martig, Filmjournalist kath.ch

«The Pianist», F/D/PL/GB 2002, Regie: Roman Polanski, Besetzung: Adrien Brody, Frank Finlay, Maureen Lipman, Ed Stoppard, Jessica Kate Meyer, Thomas Kretschmann