The Master
«Meister», nannten ihn immer wieder jene, die Jesus nachfolgten und für Gottes Sache einstanden. Um einen Meister und «Die Sache» geht es auch in «The Master», dem neuen Film von Regisseur Paul Thomas Anderson («There Will Be Blood», «Magnolia»): Weil dieser Anführer aber «nur» Mensch und nicht auch noch Gottes Sohn ist, wird der Grat äusserst schmal, der zwischen Hoffnung und Verzweiflung, Berufung und Versuchung, Segen und Fluch trennt.
Im Mittelpunkt des Dramas steht Freddie Quell, brillant verkörpert von Joaquin Phoenix. Freddie wird nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Marine entlassen: ein schwerkranker Alkoholiker – gequält, verwildert, rastlos. Zufällig lernt er die Glaubensgemeinschaft «Die Sache» kennen, die der Intellektuelle Lancaster Dodd, gespielt von Philip Seymour Hoffman, charismatisch leitet: Freddie sucht in der Gruppe Geborgenheit und Heil und beginnt, dem «Master» blindlings zu folgen. Diese Bindung ist jedoch nicht unproblematisch und stellt Freddie schliesslich vor die Frage, ob er sich selber und seine wahre Bestimmung auch ohne einen Meister finden kann und will.
Dass «The Master» etwas zu lang geraten ist, machen auch die eindrücklichen authentischen Bilder und der Enthusiasmus der Darsteller nicht wett. Der Film entführt aber meisterhaft ins Amerika des Jahres 1950 und beleuchtet intensiv Menschen auf ihrer Suche nach Hoffnung und in ihrem Ringen nach Zielen.
Thomas Schüpbach, Pfarrer ref. Kirchgemeinde Zürich-Sihlfeld*
pfarramt@sihlfeld.ch
«The Master», USA 2012, Regie: Paul Thomas Anderson, Besetzung: Joaquin Phoenix, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams, Laura Dern; Verleih: Ascot Elite Entertainment Group, Internet: http://www.ascot-elite.ch
Kinostart: 14. Februar
*Thomas Schüpbach ist Mitglied im reformierten Arbeitskreis Kirche und Film. In loser Folge schreiben Pfarrpersonen und kirchliche Mitarbeitende aus dem Arbeitskreis Filmtipps.
