The Amazing Catfish
Eine junge Frau liegt im Bett, das Tropfen eines Hahns hallt durch den heruntergekommenen Raum. Detailaufnahmen zeigen Finger, die am Faden eines Kissens zupfen, dann Corn Flakes in der Milch. Die Einstellungen sind bedrückend, aber auch sehr schön – gleich zu Beginn wird so die Einsamkeit der introvertierten Claudia deutlich. Sie lebt zurückgezogen, arbeitet aber ausgerechnet als Promoterin in einem Kaufhaus. Fast scheint es, als gelänge es der Kamera nicht, sie zu erhaschen – erst nach einigen Filmminuten sieht man erstmals Claudias Gesicht. Und erst als sie mit einer Blinddarmentzündung im Spital landet, hört man sie die ersten Sätze sprechen.
Im Spital lernt Claudia die aidskranke Martha kennen, eine alleinerziehende Powerfrau. Ohne dass sie es will, wird Claudia zu einem Teil der quirligen Familie, in der es stets laut und hektisch zugeht. Doch findet sie keine heile Welt vor; die vier Kinder haben mit ihren eigenen Problemen und Ängsten zu kämpfen. Nach und nach gewinnt Claudia ihr Vertrauen, während es Martha immer schlechter geht.
So tragisch viele Szenen sind, so sind doch auch immer Momente eingestreut, in denen alles Traurige vergessen ist – etwa beim gemeinsamen Ausflug ans Meer. Der stille, intensive Film basiert auf einer wahren Begebenheit und berührt. Er gewinnt dadurch, dass Stimmungen und Befindlichkeiten massgeblich durch filmische Mittel zum Ausdruck kommen.
Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch
«The Amazing Catfish» («Los insólitos peces gato»), Mexiko 2013, Regie: Claudia Sainte-Luce, Besetzung: Ximena Ayala, Lisa Owen, Sonia Franco, Wendy Guillén, Andrea Baeza, Alejandro Ramírez Muñoz; Internet: http://www.cineworx.ch
Kinostart: 24. April 2014
