Tár
Sie ist perfekt. Die preisgekrönte Stardirigentin und Komponistin Lydia Tár hat alles erreicht, was es zu erreichen gibt. Sie ist Chefdirigentin der Berliner Philharmoniker. Als Dozentin einer renommierten Musikhochschule unterrichtet sie Nachwuchstalente und bringt dabei auch noch ein Buch heraus. Ihr Leben spielt sich zwischen Luxushotels, Privatjets, den grossen Konzerthäusern dieser Welt sowie ihrem mondänen Zuhause in Berlin ab.
Als die aufstrebende junge Dirigentin Krista beginnt, Tár zunehmend mit Mails und Geschenken zu belästigen, wird diese von der Stardirigentin konsequent ignoriert. Doch mit dem Freitod Kristas bekommt das Leben Társ Risse und die öffentliche Meinung wendet sich plötzlich gegen sie.
Der Film erzählt nicht nur die Geschichte einer brillanten Musikerin, sondern auch die einer Frau, die ihre Macht systematisch missbraucht, um ihr Umfeld zu kontrollieren. So gelingt es dem Regisseur Todd Field meisterlich, einen MeToo-Skandal um die Figur Lydia Tár zu inszenieren, indem er aufzeigt, wie Tár junge Frauen subtil in ihre Abhängigkeit bringt. Perfide zeichnet Todd Field eine heile Welt, in der queere Frauen nicht benachteiligt sind und korrumpiert sie gleichzeitig durch das Verhalten Társ. Was bleibt, ist eine Charakterstudie über das menschliche Versagen im Antlitz von Macht und Ruhm.
Immer wieder bricht der Film das klassische Narrativ. Gewisse Szenen lassen sich nur schwer einordnen oder gar nicht erklären. Doch das tut der Intensität und der Kraft dieses aussergewöhnlichen Films keinen Abbruch. Im Gegenteil. Ein Muss für jeden Cineasten.
Silvan Maximilian Hohl, Multimediaproduzent
«Tár», USA 2022; Regie: Todd Field; Mit: Cate Blanchett, Noémie Merlant, Nina Hoss; Verleih: Universal Pictures; Homepage: https://www.universalpictures.ch/micro/tar
Ab 23. Februar 2023 im Kino
