Still Life

Im Leben eines Beamten geht es zumeist langweilig und äusserst korrekt zu und her; besonders morbid und schwermütig ist die Arbeit eines Staatsdieners im Bestattungswesen in England. Denn er ist zuständig für die einsam Verstorbenen und die Vergessenen, die von Nachbarn oder von der Polizei aufgefunden werden. John May kümmert sich um sie und macht sich auf die Suche nach Verwandten – meist vergeblich. Er organisiert die Abdankung mit viel Feingefühl: Gewöhnlich ist er allein mit dem Pfarrer, der den Nekrolog vorliest, den der Beamte anstelle der Angehörigen verfasst hat. Und auch den Platz auf dem Friedhof hat er mittels Probeliegen bereits stellvertretend ausgewählt.

Dabei geht es in der Exposition auch um die berufliche Existenz der Hauptfigur. Mays Arbeit ist nicht effizient genug und soll eingespart werden. Seine Tage als Angestellter sind also gezählt. Beim Abschluss seines letzten Todesfalls wächst der korrekte Begleiter der Verlassenen jedoch über sich selbst hinaus.

Wunderschön traurig und melancholisch erzählt Drehbuchautor und Regisseur Uberto Pasolini von diesem Schutzengel der einsamen Seelen. Dabei gibt es berührende Zwischentöne, menschliche Begegnungen und überzeugende Szenen. Doch der schönste Moment in diesem Filmbijoux ist der stille Schluss auf dem Friedhof: eine stimmige Inszenierung der ‹Gemeinschaft der Toten›.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Still life», Grossbritannien / Italien 2013, Regie: Uberto Pasolini, Besetzung: Eddie Marsan, Joanne Froggatt, Karen Drury; Verleih: Filmcoopi Zürich, http://www.filmcoopi.ch

Kinostart: 3. April 2014