Sehnsucht
«Ein Liebesfilm» lautet der Untertitel und evoziert nicht weniger Assoziationen als das schlichte Wörtchen «Sehnsucht». Es ist die alte Geschichte vom Mann, der mit seiner Jugendliebe glücklich verheiratet ist und doch eines Tages nur ein paar Dörfer weiter im Bett einer anderen aufwacht. Überwältigt von seinen bis anhin ungeahnten Wünschen versucht er unbeholfen, es allen recht zu machen. Natürlich kann er nicht anders als scheitern, und die beiden Frauen mit ihm.
Doch wie der Film das alles erzählt, ist es eben keine alte Geschichte, sondern so unmittelbar, roh und zärtlich zugleich, als passierte es zum ersten Mal. Ungeschminkte, fast dokumentarische Aufnahmen eines Provinznestes, der Ausflug der freiwilligen Feuerwehr, eine Gesangsvereinprobe: Hier spielt sich das wahre Leben ab und in ihm eine Tragödie von Menschen, die so tief lieben, dass ihnen die Worte abhanden kommen. Valeska Griesebach hat durchweg Laien vor die Kamera geholt, die eine Intensität entfalten, wie sie im Kino selten geworden ist. Ein Glücksfall bis hin zum Ende, an dem Kinder darüber plaudern, ob es so etwas gibt wie «die grosse Liebe». Ihre satyrspielhafte Leichtigkeit fängt das Tragische auf, ebenso wie die ruhigen Landschaftstableaus eines Waldsees. So ist magisches Kino, das fast unbemerkt das anschwellen lässt, was auf dem Filmplakat stand: Sehnsucht.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Sehnsucht», Deutschland 2006, Regie: Valeska Griesebach, Besetzung: Andreas Müller, Ilka Welz, Anett Dornbusch; Verleih: LOOK NOW!, Internet: http://www.looknow.ch, Filmwebsite: http://www.sehnsucht-der-film.de
Filmstart: 14. September
«Sehnsucht» ist Film des Monats September. Die Kritik zum Film des Monats kann hier als pdf-Datei geladen werden: kath.ch/pdf/filmtipp_0906.pdf
