Reise zu den Anfängen des Christentums

„Die Geburt des Christentums“ lädt zu einer anspruchsvollen Beschäftigung mit dem Neuen Testament ein. Die zehnteilige Serie zeigt, wie die kritische Auseinandersetzung mit den Quellen neue Horizonte eröffnen und die Lust zum vertieften Studium wecken kann.

Auf der historischen Forschungsreise der beiden Autoren Jérôme Prieur und Gérard Mordillat wird das Bild aufs absolute Minimum reduziert. Es treten 22 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen auf, die ihre Ergebnisse und Hypothesen vorstellen. Dabei werden sie in einfachen Kameraeinstellungen vor schwarzem Hintergrund gezeigt. Charakterisiert sind sie durch ihre Liebe zu den Büchern, „Schriftgelehrte“ im eigentlichen Sinne. Und diese Gelehrten wissen Erstaunliches zu berichten. Es geht um die Entstehung des Christentums zwischen 30 und 150 n.Chr. Mordillat und Prieur, die bereits die Serie „Corpus Christi“ produzierten, führen ihre historische Recherche anhand des Neuen Testaments fort und zeigen, wie der Tod Jesu, der von den Römern als „König der Juden“ gekreuzigt wurde, zum Ausgangspunkt für die unwiderrufliche Trennung zwischen Juden und Christen geworden ist.

Kritische Auseinandersetzung

„Die Geburt des Christentums“ ist insofern einmalig, als sie zu einer weitausgreifenden Auseinandersetzung von Fachleuten einlädt. Dieser Diskurs auf hohem Niveau erscheint methodisch als Spurensuche. Wesentliche Fragen der Theologie und der Geschichtsforschung werden gestellt. Die chronologische Darstellung lässt ein ganzes Zeitalter durch das Wort wiederaufleben.
In der Eröffnung der zehnteiligen Reihe beschäftigen sich die Fachleute mit Jesus. Schnell wird klar, dass im ersten Jahrhundert noch gar nicht die Rede vom Christentum als institutionalisierter Religion sein kann. Vorerst entsteht eine neue Theologie innerhalb des Judentums, die eine neue Auslegung der Schriften, eine neues Gottesbild und die Öffnung gegenüber den Heiden bringt (Jean-Pierre Lemonon, Lyon). Die Gesprächspartner werden fortlaufend eingeführt. Aus dem deutschsprachigen Raum sind es Martin Hengel (Tübingen) und Ekkehard W. Stegemann (Basel). Neben zahlreichen Gelehrten aus Frankreich ist auch die Universität Jerusalem mit Moshe David Herr, Daniel Schwartz und Emanuelle Main gut vertreten. Gerade die Beiträge aus jüdischer Sicht machen die Diskussion besonders interessant und glaubwürdig. Schon im ersten Teil „Jesus“ entsteht der Eindruck eines echten Dialoges, einer kritischen und erhellenden Auseinandersetzung mit den Quellen.

Zum Einsteigen und Vertiefen

Für Neuankömmlinge auf dem Gebiet der Bibeltheologie werden wichtige Begriffe aus den alten Sprachen eingeblendet, zitierte Bibeltexte sind als Stellenangaben gezeigt oder mit Untertiteln versehen. So wird es möglich dem Fachgespräch zu folgen und sich in diese seltsame und faszinierende Welt einzulassen. Nach neun Stunden Material, Diskussionen, Hypothesen und Interpretationen packt einen die Lust auf ein vertieftes Studium. Der Fundus, den Prieur und Mordillat zusammengetragen haben, ist so reichhaltig, die radikale Entscheidung für einen gestalterischen Minimalismus so überzeugend, dass diese Serie unverzichtbar wird: Sie bietet Bibeltheologie auf ihrem diskursivem Höhepunkt.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

Pro Abend werden jeweils zwei Teile der Reihe auf ARTE ausgestrahlt:

  • Samstag, 3. April um 20.45 Uhr: Jesus nach Jesus (1) und Jakobus, der Herrenbruder (2)
  • Freitag, 9. April um 22.15 Uhr: Ein Reich, das nicht kommt (3) und Familienstreit (4)
  • Samstag, 10. April um 20.45 Uhr: Paulus, die unzeitige Geburt (5) und Das Konzil in Jerusalem (6)
  • Freitag, 16. April um 22.15 Uhr: Tages des Zorns (7) und Der Roman des Ursprungs (8)
  • Samstag, 17. April um 20.45 Uhr: Bruch mit dem Judentum (9) und Verus Israel (10)

Die Autoren Jérôme Prieur und Gérard Mordillat stellen ihre Reihe am Internationalen Filmfestival „Visions du réel“ in Nyon vor (19.–25. April 2004) und stehen für Gespräche mit dem Publikum zur Verfügung.
http://www.visionsdureel.ch

Das Dossier zur Serie „Die Geburt des Christentums“:
http://www.arte-tv.com/dossier/dossier.jsp?node=597965&lang=de

Das Dossier zur Serie „Corpus Christi“:
http://www.arte-tv.com/special/corpus/dtext/01f.htm