Precious
Wenn «bildungsfern» ein bitterer Euphemismus ist, was ist dann Precious («kostbar», «wertvoll», «geliebt») als Eigenname für eine schwer übergewichtige 16-Jährige, die zum zweiten Mal vom eigenen Vater schwanger ist und täglich von der Mutter attackiert wird? Das Leben von Precious scheint besiegelt, die einzige Fluchmöglichkeit aus der heruntergekommenen Wohnung in Harlem ist ihre Fantasie. Doch dann gerät sie an eine Förderschule und ist fest entschlossen, ihr Chance zu nutzen.
Der Film, der wie seine Buchvorlage «Push» in den USA die Massen bewegte, blickt auf Zustände, die das Mainstream-Publikum lieber nicht vor Augen geführt bekommt. Mithilfe poppiger Tagträume der Protagonistin überblendet er das Schreckliche, ohne ihm auszuweichen. Und wenn er aus der geballten Hoffnungslosigkeit einen hoffnungsvollen Ausweg zeichnet, gleitet er nicht ins Märchenhafte ab. Das ist schon eine Leistung für sich. Hinzu kommt die starke Besetzung, allen voran die junge Gabourey Sidibe, die mit ihrem schieren Körperumfang die Leinwand dominiert. Aber auch ihre Schulkolleginnen, die wie sie in der Förderklasse erst einmal lesen und schreiben lernen, spielen authentisch. Stars wie Mo’nique, Mariah Carey und Lenny Kravitz in Nebenrollen fördern die Massentauglichkeit dieser unbequemen Cinderella-Geschichte, die ganz ohne Prinz und Nüsse auskommen muss.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Precious», USA 2009, Regie: Lee Daniels, Besetzung: Gabourey Sidibe, Mo’nique, Paula Patton, Mariah Carey, Lenny Kravitz, Aunt Dot, Verleih: Ascot Elite Group, Internet: http://www.ascot-elite.ch, Filmwebsite: http://www.das-leben-ist-kostbar.de/
Kinostart: 18. März 2010
| Unterrichtsmaterialien zu „Precious“ http://www.kinofenster.de/filmeundthemen/aktuellemonatsausgabe/ oder als pdf: http://www.kinofenster.de/download/monatsausgabe-03-2010.pdf |
