Pranzo di Ferragosto
Die Handlung ist schnell erzählt: In der Sommerhitze Roms ereilt den etwa fünfzigjährigen Gianni das Schicksal, neben seiner Mutter drei weitere ältere Damen beherbergen zu müssen. Deren Söhne sind über Ferragosto, also Mariä Himmelfahrt am 15. August, anderweitig beschäftigt. «Mamma mia» denkt man und möchte sich mit Gianni in die nächste Bar verdrücken. Doch der meistert mit Humor, Empathie und einigen Gläsern vino bianco so manch heikle Situation in der quicklebendigen Wohngemeinschaft auf Zeit.
Der kleine Film hat das Zeug zum Publikumsliebling. Entspannt, italienisch beredt und selbstironisch nistet er sich in einer römischen Altstadtwohnung ein, verfolgt die Hauptfigur auf der Vespa durch die Strassen Roms und betrachtet liebevoll seine vier betagten Diven. Diese sind allesamt Laien, gecastet in einem Altersheim und sichtlich mit Spielfreude begabt. Wie selten im Kino wird hier Alter ganz ungeschminkt gezeigt, oder vielmehr oft auch so sehr geschminkt, dass es besonders deutlich sichtbar wird. Glücklicherweise enthält sich der Film trotz einiger Typisierungen jeglicher Schwarzweiss-Malerei oder moralischer Appelle. Und gerade so kann er mit der ihm eigenen Leichtigkeit zeigen, wie die vitalen und energischen Damen auch zerbrechlich und einsam sind. Das ist kluge Unterhaltung.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Pranzo di Ferragosto», Italien 2008, Regie: Gianni Di Gregorio, Besetzung: Valeria De Franciscis, Marina Cacciotti, Maria Calì, Grazia Cesarini Sforza, Gianni Di Gregorio, Verleih: Xenix Filmdistribution, http://www.xenixfilm.ch, http://www.pranzodiferragosto.it
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