Philosophie. Mythos Männlichkeit

Wann ist ein Mann ein Mann? Diese Frage stellt sich mehr denn je in einer Gesellschaft, in der weibliche Emanzipations- und Gleichstellungsbewegungen der männlichen Vorherrschaft langsam ein Ende setzen. Das einst «starke» Geschlecht hat die Orientierung verloren; auf der Suche nach neuen Rollenbildern, biologischem und sozialem Geschlecht sind Identitätskrisen vorprogrammiert. Ist das traditionelle Männlichkeitsideal überholt – und wenn ja, was ist an seine Stelle getreten? Über diese Fragen diskutiert Raphaël Enthoven mit zwei Gästen: Olivia Gazalé zufolge diente Männlichkeit als normatives Konstrukt lange dazu, maskulin dominierte Gesellschaftsstrukturen zu rechtfertigen, entpuppte sich aber auch für die Männer oft als Falle. Die Philosophin sieht die aktuelle «Krise der Männlichkeit» als positive Folge der Infragestellung dieser Normen – denn warum sollten Männer um jeden Preis versuchen, stark, mächtig und unbesiegbar zu sein?