Paradise now

Die beiden Freunde Saïd und Khaled sind in Nablus aufgewachsen und arbeiten als Automechaniker. Eines Tages ist es soweit: Sie erfahren, dass sie für ein Selbstmordkommando ausgewählt worden sind. Auf einen letzten Abend bei ihren ahnungslosen Familien folgen die gemeinsamen Vorbereitungen in einem Versteck. Noch auf der Fahrt in Richtung israelisches Gebiet werden sie instruiert, möglichst viele mit in den Tod zu reissen. Doch der Übertritt durch den Grenzzaun gelingt nicht, und die beiden verlieren sich aus den Augen. Während Khaled ins Versteck zurückkehrt, irrt Saïd durch Nablus. Bis die beiden sich wiederfinden und erneut über den Einsatz entscheiden, muss sich jeder von ihnen mit seinen Überzeugungen auseinandersetzen.

Selbstmordattentäter zu Filmfiguren zu machen, ist ein Wagnis – dieses ist gelungen. Abu-Assad erzählt seinen Film nüchtern, fast zu nüchtern. Es fehlen propagandistischer Gestus, aber auch jeglicher moralischer Zeigefinger. Vielmehr wird der banale Alltag in Nablus in den Blick gerückt, wo Gewalt und Terror zu fast jeder Familienbiographie gehören. So entsteht die Momentaufnahme einer immer noch verfahrenen Situation. Wenn einige Male Humoriges aufblitzt – etwa bei der Aufnahme der Märtyrervideos für die Nachwelt – , schadet dies nicht, denn der Ernst der Lage bleibt dem Publikum stets bewusst.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

„Paradise now“, Palästina/Niederlande/Deutschland/Frankreich 2005, Regie: Hany Abu-Assad, Besetzung: Kais Nashef, Ali Suliman, Lubna Azabal; Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch

Auszeichnungen:
Berlin 2005: Amnesty International Filmpreis, Lesejury-Preis der Berliner Morgenpost, Agicoa-Preis Der Blaue Engel für den besten europäischen Film

Kinostart: 22. September 2005

Die Kritik zum Film des Monats kann hier als pdf-Datei geladen werden: kath.ch/pdf/filmtipp0905.pdf