Orientierungshilfe im Dschungel der Meinungen
Das „Wort zum Sonntag“ ist eine der ältesten Sendung von Schweizer Fernsehen DRS – und immer noch eine der beliebtesten. Rund 600´00 Zuschauerinnen und Zuschauer (was einem Fernsehmarktanteil von über 40 Prozent entspricht) hören und sehen wöchentlich die Gedanken aus christlicher Sicht. Mit vier neuen Sprechern/-innen und einem neuen Studiodekor startet die Sendung ins neue Jahr.
Das „Wort zum Sonntag“ ist 45 Jahre alt und damit eine der traditionsreichsten Sendungen von Schweizer Fernsehen DRS. Im Laufe der Zeit haben sich die Erwartungen des Publikums und der Sprechenden an die Sendung „Wort zum Sonntag“ ständig verändert. Während in den siebziger und achtziger Jahren etwa die Forderungen einer politischen Theologie die Gemüter erhitzten, scheinen die Erwartungen heute eher in die Richtung einer seelsorgerischen Unterstützung zu gehen.
„Wort zum Sonntag“ will weiterhin ein Kommentar aus christlicher Sicht zu Aspekten des aktuellen Zeitgeschehens sein. Dabei soll gerade heute, in unserer puralen Gesellschaft, in undoktrinärer Weise Orientierungshilfe angeboten werden. Somit setzt die Sendung – als einzige regelmässige Kommentarleiste des Schweizer Fernsehens – auf Verbindlichkeit. Sie möchte aber auch zu eigener Reflexion anregen. Letzteres spiegelt sich nicht zuletzt in der Wahl der neuen Sprecher/-innen. Die zwei Frauen und die beiden Männer gehören verschiedenen Altersgruppen an und üben ihren theologischen Beruf in ganz unterschiedlichen Kontexten und mit unterschiedlichen Erfahrungen aus:
Adelheid Baumgartner war Primarlehrerin und konnte sich mit dreissig Jahren ihren Traum, Theologie zu studieren, erfüllen. Ein zusätzlicher Studienaufenthalt an der Universität von Harvard hat sie später zu intensiver Beschäftigung mit feministischer Theologie geführt. Sie arbeitete bis zu ihrer Pensionierung als evangelisch-reformierte Gemeindepfarrerin, als Seelsorgerin im Spital und für geistig behinderte Menschen. Das jahrelange Hinhören auf verschiedene Menschen hat ihr die Überzeugung gegeben, dass in jedem Menschen die Kraft Gottes schlummert. „Diese Kraft mit Worten aufzuwecken, um sie als heilende Quelle wahrzunehmen“ ist für sie der Sinn von „Wort zum Sonntag“.
Monika Hungerbühler ist katholische Theologin und hat als Jugendseelsorgerin, Pastoralassistentin und Ausbildungsleiterin in einer Werkstatt für geistig Behinderte gearbeitet. Zur Zeit ist sie als Familienfrau mit ihren beiden Kindern beschäftigt und teilzeitlich als Spitalseelsorgerin und Redaktorin der feministisch-theologischen Zeitschrift FAMA tätig. Im „Wort zum Sonntag“ möchte sie auch die Fragen einbringen, mit der sie sich als Frau und Mutter täglich konfrontiert sieht: „Wie kann man heute in einer Familie christliche Werte und kirchliche Traditionen leben? In was für eine Zeit hinein verändert sich die Kirche?“
Edmund Arens stammt aus Westfalen. Nach seinem Studium der katholischen Theologie hatte er Lehrtätigkeiten in Münster, Tübingen und New York inne. Seit 1996 ist er Professor für Fundamentaltheologie an der universitären Hochschule in Luzern. Aus der Begegnung mit anderen Kirchen und Kulturen ist es ihm ein Anliegen, über den eigenen Gartenzaun hinauszuschauen. Er tritt für „eine gesellschaftlich wache Theologie“ ein, die in aktuelle Diskussionen eingreift und zur Verständigung über Grundfragen des Zusammenlebens beiträgt.
Heinz Rüegger hat in der Schweiz, in den USA und in Deutschland evangelische Theologie studiert und dabei Einblicke in reformierte, lutherische, mennonitische und baptistische Glaubensrichtungen erhalten. In seiner beruflichen Laufbahn bewegte er sich in verschiedenen Funktionen in den Bereichen Ökumene, Diakonie und Erwachsenenbildung. Zur Zeit ist er Ökumene-Beauftragter des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes. Ab diesem Frühjahr wie er als theologischer Leiter der Stiftung Diakoniewerk Neumünster-Schweizerische Pflegerinnenschule tätig sein. Als „Wort zum Sonntag“-Sprecher möchte er „anhand von persönlichen Erfahrungen oder gesellschaftlichen Ereignissen herausfinden, was für Lebensperspektiven sich für den christlichen Glauben ergeben“.
