One Hour Photo

In jedem grösseren Shopping Center gibt es die Dienstleistung, Fotos innerhalb einer Stunde entwickeln zu lassen – eine langweilige Routinearbeit für die Angestellten, ein angenehmer Service für die Kunden. Dass dieser Eindruck trügen kann, zeigt der Thriller «One Hour Photo». Er führt vor, welche Gefahren lauern, wenn Familiengeschichten gegenüber Fremden offenbart werden. Der unauffällige und sorgfältig arbeitende Fotoentwickler Sy Parrish lebt isoliert und in Einsamkeit. Über das Medium der Fotografie bekommt er Einblick in eine Wunschfamilie und fühlt sich ihr verbunden: ein glückliches Paar mit Kind und allem, was der amerikanische Traum bereit hält. Über seine Arbeit hat Sy das Kind Jake bis zu seinem neunten Geburtstag «begleitet». Als aber der Ehemann einen Seitensprung begeht, greift Sy Parrish mit seinen Mitteln des Schnappschusses in das Familienleben ein.

Robin Williams verkörpert überzeugend die Rolle des einsamen Fotolaboranten, der seine Macht ausspielt und gleichzeitig selbst ein Opfer der maschinellen Bilderreproduktion wird. Die Ambivalenz dieser Figur berührt und verängstigt zugleich. «One Hour Photo» ist ein Thriller mit dem Anspruch, über die Verbildlichung unseres alltäglichen Lebens nachzudenken.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«One Hour Photo», USA 2002, Regie: Mark Romanek, Besetzung: Robin Williams, Connie Nielsen, Michael Vartan, Verleih: Fox-Warner, Zürich, Internet: www2.fox.ch/onehourphoto/

Kinostart: 5. Dezember