Nebel im August
Die Nazis stufen den 12-jährigen Jenischen Ernst Lossa als «asozial» ein und schieben ihn in eine Nervenheilanstalt ab. Ausgerechnet er, dem Amoralität unterstellt wird, rettet die Moral, indem er sich um andere kümmert und ihnen Hoffnung gibt. Und er findet bald heraus, was hinter den scheinbar zufälligen Todesfällen steckt, die sich immer massiver häufen. Unter Lebensgefahr setzt Ernst seinen Kampf fort.
Der Film «Nebel im August» ist nicht einfach einer von vielen Filmen, die versuchen, die unfassbaren NS-Gräuel fassbar zu machen und die Motive der Täter zu erklären. Vielmehr erzählt er – basierend auf der wahren Biographie von Ernst Lossa – die unfassbare Geschichte eines Jungen, dessen Ideale von Freiheit, Unabhängigkeit und Würde ihn bis heute überleben. Und er ist eine Stimme für viele andere, die in der Folge des «Euthanasie-Programms» in Anstalten ermordet wurden.
Einerseits wird eine vergangene düstere Episode dokumentiert, in der gerade auch die Kirche oft nur getröstet anstatt wirklich geholfen hat. Andererseits wird auch gezeigt, wie eine mutige Vertreterin der Kirche für Zivilcourage eingestanden ist. Entstanden ist ein Film, der mit einer herausragenden Besetzung glänzt, der die heutige Generation anspricht, und der zum Nachdenken anregt, wie eine Gesellschaft Behinderung und Anderssein nicht als ein Ungenügen wahrnehmen, sondern schützen und bejahen kann.
Thomas Schüpbach, Pfarrer ref. Kirchgemeinde Zürich-Sihlfeld und Mitglied bei Interfilm
«Nebel im August», Deutschland 2016; Regie: Kai Wessel; Besetzung: Ivo Pietzcker, Sebastian Koch, Fritzi Haberlandt; Verleih: Frenetic Films, http://www.frenetic.ch; Filmwebseite: http://www.nebelimaugust.de
Kinostart: 27. Oktober 2016
