Mulhapar

Der Blick in die Alltagswelt in Pakistan ist uns zumeist verwehrt oder durch Klischeebilder aus der Medienwelt verstellt. Umso verdienstvoller ist es, dass Paolo Poloni einen dokumentarischen Einblick in ein Dorf der weiten Punjab-Ebene gewährt. Ausgangspunkt ist das Zusammenleben zwischen Muslimen und Christen. Das Verhältnis ist durch eine soziale Hierarchie geprägt. In Gesprächen mit Dorfbewohnern zeigt sich, dass die Machtverhältnisse klar geregelt sind: fünf muslimische Familien kontrollieren das Ackerland und die Produktionsmittel. Christen fristen ihr Dasein als Angestellte und Tagelöhner, sie sind vollständig verarmt. Patriarchale Strukturen sorgen dafür, dass die Verhältnisse bleiben wie sie sind. Der Gang in die Kirche und das Weihnachtsfest sind hingegen ein Zeichen der Solidarität und der Hoffnung für die christlichen Pakistani.

Der Kinodokumentarfilm beruht auf der Produktion «Weihnachten in Mulhapar», der bereits auf SRF 1 ausgestrahlt wurde, bietet aber nun viel mehr zu den sozialen Hintergründen, zum Alltagsleben und zur Befindlichkeit. Besonders reizvoll ist die Freundschaft zwischen zwei Mädchen, der christlichen Somera und der muslimischen Marvi, die nun im Film ausführlich zu Wort kommen. Aus diesen Erzählungen entsteht ein Mikrokosmos des Zusammenlebens von Muslimen und Christen, vor dem Hintergrund einer stetigen Radikalisierung. Doch ein friedliches Zusammenleben scheint weiterhin möglich.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Mulhapar», Schweiz 2014, Regie: Paolo Poloni, Besetzung: Marvi Razzaq und Somera Massidh u.a.; Verleih: Look Now!, http://www.looknow.ch, Filmwebsite: http://www.mulhapar-film.com/de

Kinostart: 4. Dezember 2014

Der Film wurde von der Katholischen Kirche im Kanton Zürich finanziell unterstützt.