Moscow, Belgium

Ein Crash auf dem Supermarkt-Parkplatz setzt dem nervigen Alltag der 41-jährigen Matty die Krone auf. Sie hat genug Ärger mit ihren teils schon pubertierenden Kindern und dem Mann, der midlife-pubertär zu einer seiner Studentinnen gezogen ist. Also sagt sie dem jungen Trucker, mit dem sie kollidiert ist, erst einmal ordentlich die Meinung. Bei dem allerdings schlägt die Liebe ein, und er wird alles daran setzen, Matty zu erobern. Das bringt Leben in ihr tristes Dasein, zumal sich ihr Mann angesichts des Nebenbuhlers plötzlich wieder auf seine Ehe und die Schönheit des Familienlebens besinnt.

Die Liebesgeschichte um ein ungleiches Paar verströmt alles andere als Hochglanzromantik. Die Handlung spielt im Arbeiterviertel Moskau der belgischen Stadt Gent, und statt Kaviar wird Blutwurst serviert. Dabei wird die fast schon philosophische Frage erörtert, ob Senf die Geschmacksnerven betäubt oder dem Leben gerade die richtige Würze verleiht. Authentisch und einfach ganz normal erscheinen die Figuren, wir sind ihnen allen schon einmal im Supermarkt begegnet. Doch der realistische Touch erzeugt keineswegs das Feeling eines perspektivenlosen Problemkinos, sondern ist mit lockeren, komödienhaften Tönen unterhaltsam angereichert. Banal wird es dabei dennoch nie, nicht zuletzt weil Barbara Sarafian als Matty so brillant agiert.

Christine Stark, Filmbeauftragte der Reformierten Medien
christine.stark@ref.ch

„Moscow, Belgium“, Belgien 2008, Regie: Christophe van Rompaey, Besetzung: Barbara Sarafian, Jurgen Delnaet, Johan Heldenbergh. Internet: http://www.cineworx.ch, Filmwebsite: http://www.neulichinbelgien.senator.de, http://www.moscow-belgium.com

Kinostart: ab 23. April in Zürich http://www.lunchkino.ch, 7. Mai 2009