Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran

«Araber bedeutet, von 8 bis 24 Uhr geöffnet, auch sonntags.» So leicht und ironisch erklärt Monsieur Ibrahim dem jungen Moses seine Aufgabe als Lebensmittelverkäufer in der Rue Bleue in Paris. Und er, der alte kinderlose Muslim, nimmt sich dieses jüdischen Jungen an, der auf sich allein gestellt nach Orientierung und Leben sucht. Die Begegnung zweier Religionen zwischen Fischkonserven und Zigaretten, zwischen Pubertät und dem Wissen ums Sterben – sie ist eine Gegenerzählung in einer Welt, in der auf politischer Ebene christliche, jüdische und muslimische Exponenten Krieg und Terror beschwören.

Die Freundschaft von Moses und Ibrahim ist ein schelmisches Märchen über Zuneigung, Toleranz und die Macht des Lächelns. Schon das Buch von Eric-Emmanuel Schmitt lebte von einer Mischung aus Leichtigkeit und Ernst. Nun ist es leicht und märchenhaft verfilmt worden, so dass es eine Lust ist, dem Leben auf der Rue Bleue zuzusehen und den Gesprächen in Ibrahims Geschäft zu lauschen. Der Film entführt mit seinen Bildern und der Musik der 60er-Jahre in eine traumtänzerische Welt, und doch bleibt, wie bei jedem guten Märchen, etwas Ernstes hängen. Moses ist mit Pierre Boulanger fantastisch besetzt, doch der Star des Films ist der Araber. Und Araber im Film bedeutet: Schauspieler Omar Sharif, ein weiteres Mal, wunderbar.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran», Frankreich 2003, Regie: Francois Dupeyron, Besetzung: Pierre Boulanger, Omar Sharif, Glibert Melki; Verleih: Monopole Pathé Films AG, Internet: http://www.pathefilms.ch