Mein erster Berg – ein Rigi Film

Die Rigi als Zentrum der Welt: mit einer Karte aus dem Mittelalter beginnt Erich Langjahr seinen Film, der bewusst in der ersten Person erzählt wird. Der Regisseur schafft zwei Zugänge zur Bergwelt: ein analoger und ein digitaler, ein rückblickender und ein ausblickender: In beschwerlicher Handarbeit bewirtschaftet Älpler Märtel Schindler die Alp, daneben halten asiatische Touristen mit Kameras das Schweizer Brauchtum der Rigi fest. Der Sendemast, die Bahn und der Bau eines neuen Wellness-Center bezeugen, dass die Freizeitgesellschaft auch hier Einzug gehalten hat – die Zeichen der Moderne überwiegen zunehmend. Mit Wehmut betrachtet Langjahr diese Entwicklung.

Besonders auffallend ist der plötzliche Bruch im Film. Während der erste Teil im traditionellen 35 mm Material gedreht ist und eine altbekannte Körnung und Farbtemperatur aufweist, entscheidet sich Langjahr im zweiten Teil für die digitale HD-Kamera. Selten sind die beiden Bildmaterialien derart aufeinandergeprallt. Der Gegensatz sticht ins Auge. Der Sprung von der analogen Welt der Industriegesellschaft in die digitale Welt der Erlebnisgesellschaft wird überdeutlich – eine Entwicklung, die sich nicht mehr aufhalten lässt. Die Rigi verändert sich und sie wird nicht mehr so sein wie früher: die Erinnerung an das Leben der Älpler ist gleichzeitig ein melancholischer Blick in die Zukunft.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

Kinostart: 22. November 2012

«Mein erster Berg – ein Rigi Film», Schweiz 2012, Regie: Erich Langjahr, Dokumentarfilm mit Rigi Älpler Märtel Schindler und anderen; Verleih: Langjahr-Film GmbH, http://www.langjahr-film.ch