Medianeras
«Wo ist Walter?» ist Marianas Lieblingsbuch. Walter am Strand, Walter fast überall. Nur Walter in der Stadt kann Mariana einfach nicht finden. Die Stadt im Film ist Buenos Aires. Pulsierend, wachsend, chaotisch, eigenwillig und wunderschön. Fotografiert von Martin, der auf Anraten seines Psychiaters nun öfter mal rausgeht. Ansonsten lebt der Webdesigner im Netz, erfolgreich aber schlaflos und mit immer weniger Zugang zur realen Welt. Vorwiegend virtuell ist auch das Leben der Architektin Mariana, die gelegentlich als Schaufensterdekorateurin jobbt. Manchmal setzt sie sich auch selber in eines der Schaufenster und lässt reglos das Stadtleben hinter Glas pulsieren. Doch dann beschliesst Mariana plötzlich, aus ihrer Erstarrung auszubrechen und lässt in ihrer engen Hochauswohnung ein neues Fenster aus der Wand schlagen. Dass Mariana und Martin einander finden sollten, macht der Film von Anfang an klar. Offen ist nur, ob sich die beiden je begegnen in einer Stadt wie Buenos Aires …
Gustave Taretto ist mit seinem Spiefilmdebut ein liebenswürdig verspielter und zugleich tiefgründiger Film gelungen, der mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde, so mit dem Publikumspreis an der Berlinale 2011. Und wie dieses Grossstadtmärchen ausgeht? Mit einem Mausklick natürlich – auf einen YouTube-Beitrag zu finden unter «Mariana & Martin». Virtuell, schräg, aber von den beiden gemeinsam produziert.
Brigitta Rotach, Kulturjournalistin
brigitta.rotach@access.uzh.ch
«Medianeras», Argentinien 2011, Regie: Gustavo Taretto, Besetzung: Pilar Lopz de Ayala, Javier Drolas; Verleih: trigon-film, Filmwebsite: http://www.trigon-film.org/de/movies/Medianeras
Kinostart: 1. Dezember 2011
