Marie Heurtin
1895 in der französischen Provinz: Die 14-jährige Marie ist seit ihrer Geburt blind, taub und stumm. Sie kann sich ihrer Umwelt nicht mitteilen und ihre Verzweiflung darüber nur in unkontrollierten Wutausbrüchen zum Ausdruck bringen. Die Ärzte können ihr nicht helfen, halten das Mädchen für zurückgeblieben und raten den überforderten Eltern, sie für immer in einem Heim wegzuschliessen. Diese bringen das jedoch nicht übers Herz und geben Marie stattdessen in ein Kloster, in dem taube Mädchen betreut werden. Dort nimmt sich die junge Nonne Marguerite ihrer an, schafft es, langsam ihr Vertrauen zu gewinnen und ihr eine Zeichensprache beizubringen. Dies mit dem unbedingten Willen, Maries Mauer des Schweigens zu durchbrechen und ihr Zugang zu einer Welt zu verschaffen, die ihr bisher verwehrt blieb. Umso bemerkenswerter ist diese Leistung, da die schwer erkrankte Nonne die immense Kraft, die diese Herausforderung mit sich bringt, für ihr eigenes Leben benötigt.
Jean-Pierre Améris baut seine eindringliche und auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte so behutsam auf, wie die Annäherung der beiden Charaktere geschieht. Dabei verklärt er weder, noch malt er die Bilder schön. Améris konzentriert sich nur auf die Freundschaft der beiden Frauen, die aneinander wachsen. Herausragend sind die schauspielerischen Leistungen. Die taube Ariana Rivoire geht mit ihrer intensiven Performance unter die Haut und auch Isabelle Carré ist grossartig.
Sarah Stutte, Filmjournalistin
sarah.stutte@medientipp.ch
«Marie Heurtin – Die Sprache des Herzens», Frankreich 2014, Regie: Jean-Pierre Améris, Besetzung: Isabelle Carré, Ariana Rivoire, Brigitte Catillon; Verleih: Filmcoopi Zürich, http://www.filmcoopi.ch
Filmstart: 25. Dezember 2014
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