Ma part du gâteau

Cédric Klapisch wendet sich dem sozialkritischen Film zu. Es ist das Schicksal einer Arbeiterin im Zeitalter der Globalisierung. France verliert ihren Job, wird einfach wegrationalisiert. Alleinerziehend mit drei Töchtern, arbeitslos und suizidal: das ist der Steckbrief dieser Existenz. France – eine blendende Karin Viard – ist aber aus hartem Holz geschnitzt. Sie zieht von Dunkerque nach Paris, um Geld mit Haushaltsjobs zu verdienen. Hier wird sie vom Investment-Banker Steve angestellt. Sie hält die grosszügige Loft sauber, steigt auf zur Nanny und nähert sich ihrem Chef vorsichtig, aber bestimmt. Über die Pflege des kleinen Alban entsteht eine flüchtige Beziehung zwischen France und Steve.

Die beherzte Arbeiterin gegen den arroganten Geschäftsmann: so klassenkämpferisch wie sympathisch kommt Klapisch mit seinem neuen Film daher, dass er sogar Ken Loach alle Ehre machen würde. Die Geschichte hat einen universellen Anspruch, weil sie die strukturelle Gewalt in Wirtschaftsprozessen zeigt. Menschen begegnen und lieben sich, Klassengrenzen können sie aber nicht überspringen. Die Botschaft des Filmes, sich ein eigenes Stück vom Kuchen abzuschneiden, ist etwas einfach gestrickt. Aber er vertraut auf die Solidarität in der Arbeiterschaft und hält darum auch konsequent an der Perspektive von France fest. Doch das Leben ist komplexer und so lässt der Regisseur offen, was mit France und Steve geschehen wird.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Ma part du gâteau», Frankreich 2011, Regie: Cédric Klapisch, Besetzung: Karin Viard, Gilles Lellouche, Audrey Lamy; Verleih: Frenetic Films, http://www.frenetic.ch, Filmwebsite: http://www.mapartdugateau-lefilm.com

Kinostart: 11. August 2011