Les Choses Humaines
Der Stanford-Student Alexandre fliegt für ein Wochenende nach Paris, um an einer Feier mit alten Schulfreunden teilzunehmen. Vorher möchte er jedoch seine beruflich renommierten Eltern besuchen, die sich vor kurzem getrennt haben.
Die Mutter ist inzwischen zu ihrem neuen Freund und dessen 17-jähriger Tochter Mila gezogen und lädt Alexandre zum Abendessen in die gemeinsame Wohnung ein. Da sich die beiden jungen Leute gut zu verstehen scheinen, gehen sie später zusammen auf eine Party. Am nächsten Morgen wird Alexandre verhaftet, denn Mila bezichtigt den jungen Mann der Vergewaltigung.
«Les Choses Humaines» basiert auf dem gleichnamigen, vielfach ausgezeichneten Roman von Karine Tuil. Für die filmische Adaption durch Yvan Attal (in der sowohl sein Sohn als auch seine Frau Charlotte Gainsbourg mitspielen) wurde die Geschichte in drei Akte unterteilt: Alexandres Sicht, Milas Sicht und die Perspektive des akribischen Gerichtsverfahrens. Blitzlichter aus der Nacht des Vorfalls ergänzen die Perspektiven.
Aufgrund unterschiedlicher Wahrnehmungen ist jedoch schwer auszumachen, was wirklich passiert ist. Der beunruhigende Film untersucht auf kluge Weise, wie sich ein Leben in privilegierten Verhältnissen auf die moralische Urteilsfähigkeit auswirken kann. Der Film entzieht sich einfacher Antworten und zeigt, welche schwerwiegenden Konsequenzen vorschnell gefasste Meinungen haben können. Am Ende gibt es keine Wahrheit – nur Entscheidungen, an denen Menschen zerbrechen.
Sarah Stutte, Filmjournalistin
«Les Choses Humaines», Frankreich 2021, Regie: Yvan Attal, Besetzung: Charlotte Gainsbourg, Mathieu Kassovitz, Ben Attal, Verleih: Ascot Elite, http://www.ascot-elite.ch
Kinostart: 12. Mai 2022 – aktuell gratis zum Streamen in der SRF Mediathek (bis 10. Februar 2024)
