L’autre moitié
Zwei Brüder, zwei Welten: Hamid hat eine Schweizer Mutter, ist aber bei seinem Vater in Algerien aufgewachsen. Von dort geflohen, lebt er nun in Brüssel und verdingt sich als Kurier einer illegalen Organisation, die terroristischer Verstrickungen verdächtigt wird. Als sich sein Bruder aus der Schweiz meldet, den er seit 30 Jahren nicht mehr gesehen hat, wittert er eine Polizeiaktion, fährt aber dennoch in den Jura. Dort wickelt Louis den Tod ihrer gemeinsamen Mutter ab, bei der er seinerseits aufwuchs. Eine spannungsgeladene Annäherung der ungleichen Brüder nimmt ihren Lauf.
Der Film ist auf die Konfrontation der beiden Hauptfiguren fokussiert, deren Akteure beim Internationalen Filmfestival von Amiens verdientermassen als beste männliche Darsteller ausgezeichnet wurden. Verschlossen distanziert der eine, geradezu aufdringlich aufgeschlossen der andere. Und beide seelisch versehrt, weil ihnen seit der Kindheit die andere Hälfte gefehlt hat. Für ihre jeweiligen Einsamkeiten bietet die Jura-Landschaft das ideale Tableau. Der kulturelle Diskurs über Erinnerung, Distanz und unverbrüchliche Familienbande wird atmosphärisch durch Krimielemente überlagert. Dies steigert zwar gegen Ende die Spannung, beschneidet aber die Glaubwürdigkeit des feinen Spiels, das deutlich mehr ist als nur ein Politthriller.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
„L’autre moitié“, Schweiz/Belgien 2007, Regie: Rolando Colla, Besetzung: Abel Jafri, Kader Boukhanef, Nade Dieu, Roberto Bestazzoni, Martine Godart; Verleih: LOOK NOW!, Internet: http://www.looknow.ch
Kinostart: Jetzt im Kino
