Last Night

Zufällig streift der Blick des Manns ein nachlässig hingeworfenes Paar eleganter Damenschuhe, die Frau holt hörbar Luft, um etwas zu sagen – Schnitt, und der Abspann rollt über die Leinwand. Die letzte Szene ist wie der Auftakt zu einem neuen Film. In ihr bündelt sich ein letztes Mal die stille Meisterschaft von «Last Night» mit seinen kleinen Beobachtungen grosser Gefühle. Es ist die Machart, die das Karussell um Liebe, Treue, Versuchung und Begierde auf eine Art und Weise drehen lässt, dass man schnell und intensiv in die Geschichte hineingezogen wird. Erzählt wird nichts Neues: Eine junge Ehe wird auf die Probe gestellt, als der Mann auf einer Geschäftsreise von einer Arbeitskollegin bezirzt wird, während ein ehemaliger Geliebter die Frau umgarnt. Was die beiden in dieser Nacht erleben, wird parallel erzählt. Peinvoll die Szene, in der sie sich am Handy jeweils eine ganz andere Situation vorgaukeln, als die, in der sie sich gerade befinden.

Die iranisch-amerikanische Regisseurin Massy Tadjedin führt das internationale Staraufgebot mit Keira Knightley und Sam Worthington grossartig. Natürlich ist viel Hochglanz dabei, schöne Menschen mit schönen Kleidern in schönen Räumen, auch scheint Geld keine Rolle zu spielen. Auch wenn das abgezogen wird, was eher unrealistisch wirkt, werden Fragen verhandelt, die wohl in allen Beziehungen einmal gestellt werden.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Last Night», USA/Frankreich 2010, Regie: Massy Tadjedin, Besetzung: Keira Knightley, Eva Mendes, Sam Worthington, Guillaume Canet, Verleih: Monopol Pathé Films AG, Internet: http://www.pathefilms.ch, Filmwebsite: http://www.lastnight-derfilm.de

Kinostart: 30. Dezember 2010