La vie d’Adèle

Der in Cannes 2013 mit der Goldenen Palme ausgezeichnete Film setzt ein, als sich die 17-jährige Adèle auf den Weg zur Schule macht. Nach einem Liebesverhältnis mit einem Mann erlebt sie eine längere feste Partnerschaft mit der Künstlerin Emma. In etwas zu ausführlichen, expliziten Szenen zeigt der Film die Tiefe ihrer sexuellen Beziehung, ohne dabei aufs Thema Homosexualität zu fokussieren. Vielmehr wird die generelle Suche nach dem Leben, dem Frau-Sein und der Berufung betont. Adèle bleibt unterwegs – auf einer Strasse mit vielen Möglichkeiten.

In seinem fünften Film hat sich Regisseur Abdellatif Kechiche nicht an die Devise «In der Kürze liegt die Würze» gehalten und trotzdem Adèles Leben auch nach drei langen Filmstunden noch nicht zu Ende erzählt: Es geht ihm nicht darum, Antworten zu geben, sondern stets neue Fragen zu stellen, Perspektiven zu skizzieren, und die Hoffnung zu bewahren. Den Untertitel «Chapitres 1 & 2» trage sein Film, «weil ich die folgenden Kapitel noch nicht kenne. Ich hätte gerne, dass mir Adèle die Fortsetzung erzählt».

Entstanden ist ein Film mit weiter intellektueller Dimension, der wiederholt literarische und philosophische Aspekte ins Gespräch bringt. Kechiches Film beeindruckt vor allem durch die grosse Natürlichkeit und das intensive wie auch authentische Spiel der beiden Hauptdarstellerinen.

Thomas Schüpbach, Pfarrer ref. Kirchgemeinde Zürich-Sihlfeld*
pfarramt@sihlfeld.ch

«La vie d’Adèle», Frankreich 2013, 180 Minuten, Regie: Abdellatif Kechiche, Besetzung: Léa Seydoux, Adèle Exarchopoulos; Verleih: Frenetic Films AG, http://www.frenetic.ch

Kinostart: 9. Januar 2014

*Thomas Schüpbach ist Mitglied im reformierten Arbeitskreis Kirche und Film. In loser Folge schreiben Pfarrpersonen und kirchliche Mitarbeitende aus dem Arbeitskreis Filmtipps.