La Vanité
Daniel Miller will lieber sterben, anstatt sich einer Operation zu unterziehen, deren Erfolg fraglich ist. In einem Motelzimmer trifft er sich mit Espe, Begleiterin einer Sterbehilfeorganisation. Weil der benötigte aufgebotene Zeuge ausfällt, versucht Miller kurzerhand, den russischen Prostituierten Treplew vom Nebenzimmer zu verpflichten. Das Dreiergespann lernt sich im Laufe der Nacht näher kennen und geht einem ungewissen Morgen entgegen.
«Es gibt keine schönere Gelegenheit, das Leben zu filmen, als auf der Schwelle des Todes», meint Regisseur Lionel Baier. Tatsächlich ist ihm ein kurzer und gefälliger Film gelungen, der immer wieder mit feinem und schrägem Humor überrascht und dessen Handlung bis zum Schluss unvorhersehbar bleibt. Die Nichtigkeiten des Lebens werden mit pointierten Dialogen und durchdachten Details ausgedrückt. Der alttestamentliche Prediger Kohelet könnte dem Drehbuch durchaus Pate gestanden haben, weil sowohl betont wird, wie vergänglich das Leben ist, als auch, wie sehr es gerade deshalb ausgekostet werden soll. «La Vanité» vermag dann aber nicht, tiefer zu schürfen und etwa den echten seelischen Nöten zu begegnen, welchen eine sterbewillige Person ausgesetzt sein muss, die sich – anders als Miller – zweifellos in einem finalen Sterbeprozess befindet. Nichtsdestotrotz regt der Film zum Nachdenken an, indem er stets neu die Frage aufwirft, was im Leben wirklich zählt und bleibt.
Thomas Schüpbach, Pfarrer ref. Kirchgemeinde Zürich-Sihlfeld*
pfarramt@sihlfeld.ch
«La Vanité», Frankreich, Schweiz 2015; Regie: Lionel Baier; Besetzung: Patrick Lapp, Carmen Maura, Ivan Georgiev; Verleih: Frenetic Films, http://www.frenetic.ch
Kinostart: 22. Oktober 2015
*Thomas Schüpbach ist Mitglied im reformierten Arbeitskreis Kirche und Film. In loser Folge schreiben Pfarrpersonen und kirchliche Mitarbeitende aus dem Arbeitskreis Filmtipps.
| Vorpremieren in Anwesenheit des Regissseurs Lionel Baier
Zürich: Di, 20. Oktober, 20:40 Uhr, Kino Riffraff |
