La Rançon de la Gloire
Ende der 70er-Jahre blickt die Welt gleich zweimal auf Vevey: Als Charlie Chaplin am 1. Weihnachtstag 1977 in seinem schweizerischen Wohnort stirbt und drei Monate später sein Sarg vom ortsansässigen Friedhof gestohlen wird. Die Entführer fordern für die Überreste 600‘000 Dollar. Chaplins Witwe will sich nicht darauf einlassen und die Polizei sucht die Täter unter Hochdruck. Kurze Zeit darauf werden die beiden arbeitslosen Migranten gefasst, den Sarg hatten sie auf einem Maisfeld vergraben. Er wird, diesmal mit einer dicken Betonschicht darüber, erneut auf dem Dorffriedhof in Vevey beigesetzt.
Xavier Beauvois hat aus der skurrilen Story eine leichtfüssige Mischung aus Tragikomödie und Hommage geschaffen, sieht man von wenigen Momenten sehr bedeutungsschwerer Musikuntermalung ab. Die Erinnerung an den grossen Stummfilmstar ist nicht nur durch das tatsächliche Ereignis gegeben, sondern auch durch die Figurenzeichnung der beiden tollpatschig-liebenswürdigen Täter. Roschdy Zem mimt den Vagabund mit Kind, Benoît Poelvoorde wird im Laufe der Geschichte ein Clown in jenem Zirkus, den Charlie Chaplins Sohn Eugene lange Jahre lang als künstlerischer Direktor führte. So spielt er sich als Zirkusdirektor in «La Rançon de la Gloire» kurz selbst und auch eine von Chaplins Enkelinnen übernimmt in einer weiteren Szene eine kleine Rolle. Was fehlt ist einzig die reale Geldübergabe, die an Slapstick kaum zu überbieten ist.
Sarah Stutte, Filmjournalistin
sarah.stutte@medientipp.ch
«La Rançon de la Gloire», Frankreich/Schweiz 2014, Regie: Xavier Beauvois, Besetzung: Benoît Poelvoorde, Roschdy Zem, Peter Coyote; Verleih: Praesens Films, http://www.praesens.com
Kinostart: 6. August 2015
