La petite chambre

Wie schwierig es ist im Alter die Unabhängigkeit zu bewahren, davon zeugt das Drama der beiden Westschweizer Regisseurinnen Veronique Reymond und Stéphanie Chuat. Es geht um Edmond, der ins Altersheim gehen müsste wegen seinem schwachen Herzen. Aber er wehrt sich entschlossen dagegen. Ihm wird eine Betreuerin zugeteilt, die ihn zuhause besucht, mit ihm isst, ihn badet. Der alte Mann und die junge Frau kommen sich im Alltag näher. Denn auch Rose leidet unter einer Herzensangelegenheit: Nachdem sie ihr Kind in der Schwangerschaft verloren hat, kehrt sie zurück zur Arbeit als Krankenpflegerin. Das kleine Zimmer in ihrer Wohnung ist leer und wird nun zum Unterschlupf für Edmond, der vor seiner Einweisung ins Altersheim flieht.

Ungewöhnlich ist die Doppelregie von zwei jungen Regisseurinnen, aussergewöhnlich aber auch die sehr präzise und liebevolle Charakterzeichnung in diesem Film. Die Bilder des Alters sind stimmig und emotional dicht. Michel Bouquet verkörpert die Rolle des zerbrechlich-leidenschaftlichen Edmond herausragend. Ihm gegenüber ist die aufgekratzte und melancholische Rose, die als zupackende Pflegerin selbst hilfsbedürftig erscheint, sehr schön inszeniert. «La petite chambre» ist ein Drama der Herzen, das niemanden kalt lässt, weil es ungewöhnlich dicht ist und gleichzeitig eine überraschende Leichtigkeit ausstrahlt.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«La petite chambre», Schweiz / Luxemburg 2010, Regie: Veronique Reymond und Stéphanie Chuat; Besetzung: Michel Bouquet, Florence Loiret Caille, Joël Delsaut; Verleih: Vega Film, Internet: http://www.vegafilm.com, Filmwebsite: http://www.vegafilm.com/vega-film/de/filme/la-petite-chambre/synopsis/

Kinostart: 24. März 2011

«La petite chambre» gewinnt Schweizer Filmpreise