La belle vie
Die ersten Einstellungen muten malerisch an: Zwei Jugendliche hüten in einer Berggegend Schafe, baden und toben unter dem Wasserfall und fahren bei Morgennebel mit dem Pferdewagen auf den Markt. Doch die Idylle trügt, denn Pierre, Sylvian und ihr Vater leben ständig in der Angst, entdeckt zu werden. Zehn Jahre zuvor hatte der Vater die Brüder entführt, und noch immer lässt die Mutter nach ihnen fahnden. So bleiben die drei immer unter sich, und wenn sie erneut fliehen müssen, muss auch schon mal der liebgewonnene Hund zurückbleiben. Pierre, der ältere Sohn, hat irgendwann genug vom Nomadendasein und macht sich davon. Sylvain bleibt allein mit dem Vater zurück und gerät zunehmend in einen Konflikt: Einerseits fühlt er sich dem Vater verbunden, anderseits möchte er sein eigenes Leben führen, sesshaft sein, vor allem aber bei dem Mädchen bleiben, in das er sich verliebt hat.
Eine wahre Begebenheit hat Regisseur Jean Denizot zu dem Film inspiriert. Die Gründe für die Entführung, die Vergangenheit und die Beziehung zur Mutter werden nur angedeutet. Doch gibt Denizot in den letzten Minuten auch der Mutter ein Gesicht – in einem berührenden und perfekt gesetzten Schlussmoment, der alles offen lässt. Es geht dem Regisseur weniger darum, Gründe auszuloten, sondern um Sylvains Erwachsenwerden, seine Wahrnehmung und Zerrissenheit. Das alles kommt, eingebettet in atmosphärischen Naturaufnahmen, intensiv und stark zum Ausdruck.
Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch
«La belle vie», Frankreich 2013, Regie: Jean Denizot; Besetzung: Zacharie Chasseriaud, Nicolas Bouchaud, Jules Pelissier; Verleih: Xenix Filmdistribution GmbH, Internet: http://www.xenixfilm.ch
Kinostart: 24. Juli 2014
| «La belle vie» ist unser Film des Monats Juli und als pdf abrufbar. Film-des-Monats-Archiv |
