Kontext. Das 72. Filmfestival von Cannes

Das grösste Filmfestival der Welt lebt nicht nur von seiner eigenen Vergangenheit, sondern auch vom Zelebrieren der Cinéphilie. Aber das erweist sich als zunehmend schwierig. Die Kinolandschaft wird von Streaming Diensten umgepflügt, die klassischen Filmstudios sind zu Content-Schleudern im Dienste grosser Medienkonglomerate geworden und seit ein paar Jahren werden auch zunehmend die Eigenmarken des Festivals bröckelig, die genialen männlichen Autorenfilmer sind alt geworden. Immer häufiger muss sich Festival-Direktor Thierry Fremaux mit Fragen auseinandersetzen, die über die hehre Filmkunst hinaus deuten: Wie relevant sind Festivalfilme noch, wenn die Streaming Dienste zu permanenten Festivals in der guten Stube geworden sind? Warum sind immer noch weniger Filme von Frauen als von Männern zu sehen? Warum bekommt ein Alain Delon einen Ehrenpreis in Cannes?